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Kleinzelliger Lungenkrebs (kurz „SCLC“ von „small cell lung cancer“, häufig auch „Kleinzelliges Bronchialkarzinom“) ist neben dem Nicht-kleinzelligen Lungenkrebs („NSCLC“) die seltenere Form eines Tumors, der von Zellen in der Lungenschleimhaut ausgeht. Während das NSCLC von Epithelzellen ausgeht, die die Bronchien auskleiden, geht das kleinzellige Karzinom von endokrinen Zellen in der Schleimhaut aus. Diese Zellen können Hormone produzieren, weshalb bei Betroffenen auch sogenannte „paraneoplastische Syndrome“ vorkommen können. Dabei werden unkontrolliert verschiedene Hormone ausgeschüttet, wodurch unter anderem Symptome wie Muskelbeschwerden, Kreislaufveränderungen und Störungen des Salzhaushaltes auftreten. Obwohl die Entstehung des SCLC in den meisten Fällen mit Zigarettenrauch in Zusammenhang steht, kann diese Erkrankung genau wie das NSCLC auch bei Menschen auftreten, die nie geraucht haben.
Lungenkrebs ist eine Erkrankung, deren Symptome vergleichsweise spät nach Beginn der Erkrankung auftreten und zudem sehr unspezifisch sind. Unspezifisch bedeutet, die Symptome oder Krankheitszeichen weisen nicht eindeutig auf Lungenkrebs hin, sondern können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Gerade in frühen Stadien muss es gar nicht zu Beschwerden kommen und der Lungenkrebs bleibt unentdeckt. Wird er in einem sehr frühen Stadium diagnostiziert, dann handelt es sich häufig um eine Zufallsdiagnose, z.B. wenn die Lunge aus anderen Gründen geröntgt wurde. Im diesem Falle ein Glücksfall, weil der Lungenkrebs dann häufig noch operabel ist oder kurativ behandelt werden kann, das heisst eine Heilung ist möglich. Gerade Menschen mit erhöhtem Risiko für Lungenkrebs, z.B. weil sie beruflich einer Schadstoffbelastung ausgesetzt waren, gehäuft Krebserkrankungen in der Familiengeschichte haben oder Raucher sind, sollten die Warnzeichen kennen und im Zweifel Ihrem Arzt berichten.
Wie bei den meisten Krebserkrankungen gilt: In der normalen Blutkontrolle (z.B. beim Hausarzt) kann man in aller Regel keinen Lungenkrebs oder den Verdacht darauf erkennen.
Beim Auftreten der genannten Symptome muss es sich keinesfalls um Lungenkrebs handeln. Betroffene Menschen sollten aber einen Arztbesuch in Betracht ziehen.
Je früher eine Krebserkrankung entdeckt wird, desto höher ist die Heilungschance. Früherkennung ist daher ein sehr wichtiges Konzept. Anders als bei den ebenfalls häufigen Krebsarten Darmkrebs (Darmspiegelung alle 10 Jahre für Männer ab 50 und Frauen ab 55!) oder Brustkrebs (jährliche Tastuntersuchung ab 30, Mammographie alle zwei Jahre ab 50!) gibt es beim Lungenkrebs keine etablierte Vorsorge oder Früherkennung. Dies gilt für Menschen, die keine Symptome haben.
Das SCLC ist mit 12-15% die zweithäufigste, aber seltenere Form der Lungenkrebserkrankungen nach dem NSCLC. Es sind deutlich mehr Männer als Frauen betroffen, in Westeuropa etwa doppelt so viele Männer wie Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 70 Jahren. Lungenkrebs stellt bei Männern nach Prostatakrebs die zweithäufigste Krebserkrankung dar, bei Frauen die dritthäufigste (nach Brust- und Darmkrebs). Nach einer Statistik aus dem Jahr 2012 erkrankten in Europa mehr als 410.000 Menschen neu an Lungenkrebs.
Lungenkrebs ist bei Männern die zweithäufigste Krebsart, bei Frauen die dritthäufigste.
Kleinzelliger Lungenkrebs (kurz „SCLC“) ist eine Diagnose, die von einem Pathologen, d.h. Facharzt eines pathologischen Instituts, anhand der mikroskopischen Untersuchung einer Gewebeprobe (Biopsie) aus Tumorgewebe gestellt wird. Dabei unterscheidet sich das Aussehen der Krebszellen je nach Art des Tumors. Darüberhinaus können bestimmte „Färbungen“ mit Immun-Markern vom Pathologen angefertigt werden („Immunhistologie“). Dies kann ermöglichen, bestimmte Proteine (Eiweißstoffe) zu erkennen, die auf der Oberfläche von Krebszellen vorkommen und für eine bestimmte Tumorart charakteristisch sind. Auf diesem Wege kann die Diagnosestellung gesichert werden.
Für die Diagnosestellung ist in der Onkologie grundsätzlich ein histologischer oder immunhistologischer Befund des Pathologen Voraussetzung. Dafür muss z.B. im Rahmen einer Punktion Tumorgewebe gewonnen werden (Biopsie). In machen Fällen ist es auch ausreichend, einzelne Tumorzellen aus einem Erguss, z.B. Pleuraerguss, zu gewinnen. Eine Diagnosestellung anhand von bildgebenden Verfahren (CT, MRT) ist nicht möglich. Diese Verfahren können eine Verdachtsdiagnose begründen und aufzeigen, auf welchem Wege bzw. an welcher Stelle eine Gewebeprobe am günstigsten gewonnen werden kann. Weiterhin ist die Bildgebung ganz entscheidend, wenn es um die Ausdehnungsdiagnostik geht, d.h. um die Frage wie groß der Tumor ist und welche Organe er befallen hat.
Ohne feingewebliche Untersuchung einer Gewebeprobe (Histologie) oder zytologische Untersuchung von Tumorzellen (Zytologie) kann keine Krebsdiagnose gestellt werden. Hiefür ist immer eine Probenentnahme (Biopsie) notwendig.
Die molekulargenetische Untersuchung von Tumorgewebe (Tumorgenetik) spielt beim kleinzelligen Lungenkrebs (SCLC) im Gegensatz zum nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) eine untergeordnete Rolle und hat bisher keinen Eingang in die Routinediagnostik gefunden. Häufige Mutationen, die beim SCLC auftreten betreffen die Gene TP53 und RB1, für die allerdings keine zielgerichteten Therapieansätze im Rahmen zugelassener Therapien oder im Rahmen klinischer Studien bestehen.
Bei der Therapieentscheidung, die der Patient zusammen mit seinen Ärzten trifft, spielen grundsätzlich krebsbezogene Faktoren sowie patientenbezogene Faktoren (Alter, Allgemeinzustand, Krankengeschichte etc.) eine Rolle.
Die krebsbezogenen Faktoren umfassen:
Das Grading beschreibt wie sehr sich die Tumorzellen von normalen Lungenzellen unterscheiden.
Bei der Stadieneinteilung des SCLC hat sich im klinischen Gebrauch eine vereinfachte Darstellung durchgesetzt, die die Stadien „Limited Disease (LD)“, d.h. ohne Metastasierung in andere Organe und „Extensive Disease (ED)“ beinhaltet, d.h. es ist bereits zu einer Metastasierung in andere Organe gekommen. Bei Diagnose liegt bei etwa zwei Drittel der Patienten bereits das Stadium Extensive Disease vor, bei etwa einem Drittel das Stadium „Limited Disease“. Darüberhinaus kann man noch das Stadium „Very limited disease“ unterscheiden, das bei einem sehr kleinen Anteil von Patienten bei Diagnose vorliegt (ca. 5%) und dadurch gekennzeichnet ist, dass der Lymphknotenbefall noch nicht weit fortgeschritten ist.
Die Wahl des Behandlungsverfahrens richtet sich vor allem nach dem Stadium der Erkrankung.
Zu den Behandlungsmodalitäten zählen Strahlentherapie, Chemotherapie, Immuntherapie und in seltenen Fällen die Operation.
Das SCLC wird im Gegensatz zum NSCLC nur sehr selten in einem Stadium diagnostiziert, das operativ behandelt werden kann.
Eine palliative Behandlung hat nicht die Heilung zum Ziel, sondern eine möglichst lange Erhaltung der Lebensqualität.
Im Rahmen der kombinierten Radiochemotherapie kommt die Strahlentherapie zusammen mit einer Chemotherapie im Stadium „Limited Disease“ zur Anwendung. Dabei besteht ein kurativer Therapieanspruch, d.h. es wird eine Heilung angestrebt.
Weiterhin kommt die Strahlentherapie im Stadium „Limited Disease“ im Rahmen der prophylaktischen (vorbeugenden) Gehirnbestrahlung zur Anwendung. Diese Behandlung kann das Auftreten von Hirnmetastasen verhindern und die Überlebenszeit verlängern.
Grundsätzlich besteht im metastasierten Stadium eine palliative Situation. Das Ziel der Behandlung besteht darin, ein Wachstum des Tumors aufzuhalten und so die Lebensqualität zu verbessern und möglichst lange zu erhalten.
An erster Stelle steht in diesem Stadium eine systemische Krebsbehandlung, d.h. eine Therapieform, die den ganzen Körper erreicht. Dazu zählen neben der intravenösen Chemotherapie auch zielgerichtete Therapien wie die Immuntherapie sowie neue Therapieformen wie sie in klinischen Studien angeboten werden (zelluläre Therapie/adoptive Immuntherapien).
Möglicherweise werden Sie von Ihren Ärzten gefragt, ob Sie an einer klinischen Studie teilnehmen möchten. Dabei handelt es sich um wissenschaftliche Studien der Krebsforschung, die mit Patienten durchgeführt werden, um neue Behandlungsmöglichkeiten zu prüfen und die Wirksamkeit und Verträglichkeit neuer Wirkstoffe herauszufinden.
Klinische Studien tragen dazu bei, neue Erkenntnisse über Krebserkrankungen zu gewinnen, daher kann die Teilnahme an einer solchen Studie mit verschiedenen Vorteilen für Sie verbunden sein. Beispielsweise werden Sie während und nach einer Studienteilnahme besonders sorgfältig überwacht. Es kann sein, dass die neue Behandlung einen größeren Nutzen als herkömmliche Therapien für Sie erbringt. Es kann aber auch sein, dass sich manche der neuen Behandlungen als nicht so wirksam wie die herkömmlichen herausstellen oder Nebenwirkungen haben, die ihren Nutzen überwiegen.
“Wenn immer möglich, sollen Patienten im Rahmen klinischer Studien behandelt werden.”
(Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, DGHO: onkopedia Leitlinien zum kleinzelligen Lungenkarzinom)
Sie haben das Recht, der Teilnahme an einer klinischen Studie zuzustimmen oder eine Teilnahme abzulehnen, ohne dass dadurch die Qualität Ihrer Versorgung beeinträchtigt wird. Es kann auch sein, dass Ihre Ärzte Ihnen nicht den Vorschlag machen, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Wenn Sie dennoch mehr über diese Möglichkeit erfahren möchten, fragen Sie nach, ob es eine klinische Studie für Ihre Krebserkrankung in Ihrer Nähe gibt oder beauftragen Sie uns vorab mit der Erstellung einer personalisierten Studienübersicht, die Sie anschließend mit Ihren Ärzten besprechen können.
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