Alles zum Thema Eierstockkrebs

Inhaltsverzeichnis

Was versteht man unter Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs (auch Ovarialkarzinom genannt) ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke. Die Erkrankung verursacht in frühen Stadien häufig keine eindeutigen Beschwerden. Deshalb wird sie bei vielen Patientinnen erst festgestellt, wenn sie sich bereits innerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet hat.

Die wichtigsten Behandlungen sind die Operation und eine Chemotherapie. Bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs können zusätzlich zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden. Welche Behandlung geeignet ist, hängt u.a. vom Tumorstadium, der feingeweblichen Unterform, bestimmten genetischen Eigenschaften des Tumors und der gesundheitlichen Situation der Patientin ab.

Eierstockkrebs ist nicht nur eine einzelne Erkrankung. Es gibt verschiedene Unterformen, die unterschiedlich wachsen und unterschiedlich behandelt werden können.

Welche Aufgaben haben die Eierstöcke?

Die beiden Eierstöcke liegen rechts und links neben der Gebärmutter im kleinen Becken. Sie sind über die Eileiter mit der Gebärmutter verbunden.

Vor den Wechseljahren erfüllen die Eierstöcke zwei zentrale Aufgaben: Sie sind für die Reifung der Eizellen verantwortlich und produzieren die weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen und Progesteron.

Die Hormone steuern u.a. den Menstruationszyklus und beeinflussen Knochen, Haut, Schleimhäute, Stoffwechsel und Sexualität.

Nach den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion weitgehend ein. Grundsätzlich können Frauen jedoch sowohl vor als auch nach den Wechseljahren an Eierstockkrebs erkranken. Das Erkrankungsrisiko steigt deutlich mit zunehmendem Alter.

Die 3 Hauptgruppen von Eierstocktumoren

Die Eierstöcke bestehen aus verschiedenen Zell- und Gewebearten. Aus nahezu jeder dieser Zellarten kann sich ein Tumor entwickeln. Diese werden in 3 Gruppen unterteilt:

Epitheliale Tumoren entstehen aus Deck- bzw. Drüsengewebe. Rund 9 von 10 bösartigen Eierstocktumoren gehören zu dieser Gruppe.

Zu den wichtigsten epithelialen Unterformen gehören:

  • high-grade“ seröse Karzinome
  • low-grade“ seröse Karzinome
  • endometrioide Karzinome
  • klarzellige Karzinome
  • muzinöse Karzinome
  • seltenere und gemischte Formen

Die mit Abstand häufigste Unterform ist das „high-grade“ seröse Karzinom. Es wächst meist schneller als Low-grade-Tumoren und wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Viele dieser Tumoren entstehen nach heutigem Verständnis wahrscheinlich nicht unmittelbar im Eierstock, sondern aus Vorläuferzellen im äußeren Abschnitt des Eileiters.

Keimzelltumoren entstehen aus Zellen, aus denen normalerweise die Eizellen hervorgehen. Sie sind selten und treten häufiger bei jüngeren Frauen und Mädchen auf.

Keimzelltumoren können sich hinsichtlich ihrer Behandlung und Heilungschancen deutlich von den häufigeren epithelialen Tumoren unterscheiden.

Diese seltenen Tumoren entstehen aus hormonbildenden Zellen und dem Stützgewebe des Eierstocks. Einige von ihnen produzieren Hormone und können deshalb beispielsweise ungewöhnliche Blutungen verursachen. Auch sie werden teilweise anders behandelt als epitheliale Ovarialkarzinome.

Was sind Borderline-Tumoren?

Borderline-Tumoren nehmen eine Zwischenstellung zwischen gutartigen und bösartigen Eierstocktumoren ein.

Ihre Zellen zeigen auffällige Veränderungen und können sich auf der Oberfläche des Bauchfells ausbreiten. Anders als bei einem invasiven Karzinom wachsen die Zellen jedoch zunächst nicht zerstörend in das umliegende Gewebe ein.

Borderline-Tumoren treten teilweise bei jüngeren Frauen auf. Ihre Prognose ist meist deutlich günstiger als die eines invasiven Eierstockkrebses. Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer Operation. Eine Chemotherapie ist bei einem Borderline-Tumor normalerweise nicht vorgesehen.

Was haben Eileiter- und Bauchfellkrebs mit Eierstockkrebs zu tun?

Krebserkrankungen der Eileiter und des primären Bauchfells ähneln einem epithelialen Eierstockkrebs biologisch sehr stark.

Ein sogenanntes primäres Peritonealkarzinom entsteht im Bauchfell, also der dünnen Gewebeschicht, die die Bauchhöhle und viele Bauchorgane überzieht.

Eileiterkrebs und primärer Bauchfellkrebs werden in der Regel nach denselben Grundsätzen untersucht und behandelt wie Eierstockkrebs. In wissenschaftlichen Studien werden die 3 Erkrankungen deshalb häufig gemeinsam betrachtet.

Wie häufig ist Eierstockkrebs?

In Deutschland erkranken jedes Jahr ungefähr 7.200 Frauen an bösartigen Tumoren der Eierstöcke. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 68 bis 69 Jahren.

Ungefähr eine von 74 bis 76 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs. Etwa drei Viertel der Erkrankungen werden erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium festgestellt.

Die Zahl der Neuerkrankungen und der durch Eierstockkrebs verursachten Todesfälle ist in Deutschland seit Beginn des Jahrtausends zurückgegangen.

Welche Ursachen hat Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs entsteht durch Veränderungen im Erbgut einzelner Zellen. Diese Veränderungen können bewirken, dass sich die Zellen unkontrolliert teilen, nicht mehr wie vorgesehen absterben und in umliegendes Gewebe einwachsen.

Warum diese Veränderungen bei einer bestimmten Patientin auftreten, lässt sich meistens nicht eindeutig feststellen. Die meisten Veränderungen entstehen erst im Laufe des Lebens und sind nicht vererbt.

Eine Eierstockkrebserkrankung ist daher in der Regel nicht auf ein bestimmtes persönliches Verhalten zurückzuführen. Auch Frauen, die gesund leben und keine erkennbaren Risikofaktoren haben, können an Eierstockkrebs erkranken.

Welche Risikofaktoren gibt es?

Das Erkrankungsrisiko steigt insbesondere mit dem Lebensalter.

Weitere Faktoren, die statistisch mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, sind:

  • Kinderlosigkeit
  • Unfruchtbarkeit
  • starkes Übergewicht
  • eine Hormontherapie nach den Wechseljahren, insbesondere mit Östrogen allein
  • bestimmte erbliche Genveränderungen
  • eine familiäre Häufung von Brust- und Eierstockkrebs
  • ein Lynch-Syndrom
  • eine berufliche Asbestbelastung

Mehrere Schwangerschaften, längere Stillzeiten und die längerfristige Einnahme einer kombinierten Antibabypille sind dagegen mit einem statistisch geringeren Erkrankungsrisiko verbunden. Diese Zusammenhänge erlauben jedoch keine zuverlässige Vorhersage für eine einzelne Frau.

Wie häufig ist Eierstockkrebs erblich bedingt?

Bei ungefähr jeder vierten Patientin kann eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielen. Besonders wichtig sind Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2. Auch Veränderungen in weiteren Genen der DNA-Reparatur können das Risiko erhöhen.

BRCA1 und BRCA2 helfen gesunden Zellen normalerweise dabei, Schäden im Erbgut zu reparieren. Ist eines dieser Gene von Geburt an verändert, kann das Risiko für Eierstock-, Eileiter- und Brustkrebs erhöht sein. Je nach Gen können auch weitere Krebsarten in einer Familie häufiger vorkommen.

Ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs kann außerdem beim Lynch-Syndrom bestehen. Dabei sind Gene betroffen, die Fehler beim Kopieren der Erbinformation reparieren. Ein Lynch-Syndrom erhöht insbesondere das Risiko für Darm- und Gebärmutterkörperkrebs, kann aber auch mit Eierstockkrebs verbunden sein.

Eine erbliche Veränderung kann auch dann vorliegen, wenn in der Familie bisher kein Eierstock- oder Brustkrebs bekannt ist.

Wer sollte eine genetische Untersuchung erhalten?

Patientinnen mit Eierstockkrebs sollten über die Möglichkeit einer erblichen Ursache aufgeklärt werden.

Nach aktuellen deutschen Empfehlungen sollte Frauen unter 80 Jahren grundsätzlich eine genetische Untersuchung auf erbliche Brust- und Eierstockkrebssyndrome angeboten werden. Auch bei älteren Patientinnen kann eine Untersuchung je nach Krankheitsbild und Familiengeschichte sinnvoll sein. Alter und Familienanamnese allein reichen nicht aus, um eine erbliche Veränderung sicher auszuschließen.

Eine genetische Untersuchung kann mehrere Bedeutungen haben:

  • Sie kann die Auswahl der Krebstherapie beeinflussen.
  • Sie kann Hinweise auf weitere persönliche Krebsrisiken geben.
  • Sie kann für Kinder, Geschwister und andere Blutsverwandte wichtig sein.

Wird eine erbliche Veränderung gefunden, sollten Angehörige nicht routinemäßig getestet werden. Zunächst ist eine humangenetische Beratung sinnvoll, in der Nutzen und mögliche Folgen einer Untersuchung erläutert werden.

Kann man Eierstockkrebs vorbeugen?

Es gibt keine Lebensweise, mit der sich Eierstockkrebs sicher verhindern lässt.

Frauen mit einer nachgewiesenen erblichen Hochrisikoveränderung können ihr Erkrankungsrisiko jedoch durch eine vorbeugende Entfernung beider Eileiter und Eierstöcke deutlich verringern.

Der geeignete Zeitpunkt hängt u.a. vom betroffenen Gen, dem persönlichen Erkrankungsrisiko, dem Alter und einem möglicherweise noch bestehenden Kinderwunsch ab. Der Eingriff führt vor den natürlichen Wechseljahren zu einem unmittelbaren Hormonentzug und sollte deshalb ausführlich in einem spezialisierten Zentrum besprochen werden.

Auch nach einer solchen Operation bleibt ein geringes Risiko für einen Tumor des Bauchfells bestehen.

Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung?

Für Frauen ohne Beschwerden gibt es derzeit keine allgemein empfohlene Früherkennungsuntersuchung auf Eierstockkrebs.

Weder ein regelmäßiger Ultraschall durch die Scheide noch die Bestimmung des Tumormarkers CA-125 konnte in großen Studien die Sterblichkeit an Eierstockkrebs nachweislich senken. Gleichzeitig können auffällige, letztlich aber gutartige Befunde zu belastenden und unnötigen Operationen führen.

Das gilt grundsätzlich auch für Frauen mit einer erblichen Hochrisikoveränderung. Bei ihnen ersetzt eine regelmäßige Ultraschall- oder Tumormarkerkontrolle die vorbeugende Operation nicht.

Ein unauffälliger Ultraschall oder ein normaler CA-125-Wert schließt Eierstockkrebs nicht sicher aus.

Welche Symptome kann Eierstockkrebs verursachen?

Eierstockkrebs verursacht häufig erst dann Beschwerden, wenn der Tumor bereits größer ist oder sich in der Bauchhöhle ausgebreitet hat.

Mögliche Beschwerden sind:

  • anhaltendes Völlegefühl
  • häufige oder ungewöhnlich starke Blähungen
  • unklare Bauch- oder Unterbauchschmerzen
  • eine Zunahme des Bauchumfangs
  • frühes Sättigungsgefühl
  • verminderter Appetit
  • Übelkeit oder Verdauungsbeschwerden
  • Verstopfung oder andere Veränderungen des Stuhlgangs
  • häufigerer Harndrang
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Müdigkeit und Leistungsschwäche
  • Atemnot
  • ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide

Eine Zunahme des Bauchumfangs kann dadurch entstehen, dass sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle ansammelt. Diese Flüssigkeitsansammlung wird Aszites genannt.

Die Beschwerden können zahlreiche harmlose Ursachen haben. Sie sollten aber ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, über mehrere Wochen bestehen, erneut wiederkehren oder zunehmend stärker werden – insbesondere bei Frauen über 50 Jahren.

Wann ist schnelle ärztliche Hilfe notwendig?

Patientinnen mit bekanntem oder vermutetem Eierstockkrebs sollten umgehend medizinische Hilfe suchen bei:

  • starken oder plötzlich zunehmenden Bauchschmerzen
  • wiederholtem Erbrechen
  • einem stark geblähten, harten Bauch
  • fehlendem Stuhlgang und ausbleibenden Darmwinden
  • deutlicher Atemnot
  • hohem Fieber oder Schüttelfrost
  • einer plötzlich auftretenden einseitigen Beinschwellung
  • Brustschmerzen oder plötzlicher Luftnot

Starke Bauchschmerzen, Erbrechen und ein geblähter Bauch können auf einen Darmverschluss hinweisen. Eine einseitige Beinschwellung oder plötzliche Atemnot kann durch ein Blutgerinnsel verursacht sein.

Wie wird Eierstockkrebs diagnostiziert?

Bei Verdacht auf Eierstockkrebs sind mehrere Untersuchungen notwendig. Der Verdacht ergibt sich häufig aus Beschwerden, einem auffälligen Tastbefund oder einer Veränderung im Ultraschall.

Die endgültige Diagnose kann nur durch die feingewebliche Untersuchung von entnommenem Gewebe gestellt werden.

Der Arzt fragt u.a. nach:

  • aktuellen Beschwerden
  • Beginn und Entwicklung der Symptome
  • früheren Erkrankungen
  • vorausgegangenen Operationen
  • Schwangerschaften und Geburten
  • eingenommenen Medikamenten
  • Krebsfällen in der Familie
  • möglichen erblichen Risiken

Der Arzt untersucht die Bauchdecke und tastet die inneren Geschlechtsorgane über die Scheide sowie teilweise über den Enddarm ab.

Dadurch können etwa eine Vergrößerung der Eierstöcke, eine verminderte Beweglichkeit der Organe oder Flüssigkeit im Bauchraum auffallen.

Beim transvaginalen Ultraschall wird eine schmale Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt.

Dabei beurteilt der Arzt u.a.:

  • Größe der Eierstöcke
  • Form und Begrenzung einer Veränderung
  • feste und flüssigkeitsgefüllte Bestandteile
  • Trennwände innerhalb einer Zyste
  • Durchblutung
  • mögliche Flüssigkeit in der Bauchhöhle

Ein Ultraschall kann den Krebsverdacht erhärten oder abschwächen. Er kann aber nicht mit Sicherheit feststellen, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist.

Bei einem begründeten Krebsverdacht wird meist eine Computertomographie von Brustkorb, Bauch und Becken durchgeführt.

Die CT soll zeigen:

  • wie groß der Tumor ist
  • ob das Bauchfell betroffen ist
  • ob Lymphknoten vergrößert sind
  • ob Leber, Milz, Darm oder andere Organe betroffen sein könnten
  • ob Flüssigkeit im Bauch- oder Brustraum vorliegt
  • ob Fernmetastasen erkennbar sind
  • ob eine vollständige Operation voraussichtlich möglich ist

Trotz moderner Bildgebung lässt sich die genaue Ausbreitung häufig erst während der Operation beurteilen.

Eine Magnetresonanztomographie kann bei bestimmten Fragestellungen ergänzend eingesetzt werden.

Eine PET-CT gehört nicht bei jeder Patientin zur Standarddiagnostik. Sie kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn bei einem späteren Rückfall andere Untersuchungen kein eindeutiges Ergebnis liefern.

Welche Bedeutung hat der Tumormarker CA-125?

CA-125 ist ein Eiweiß, dessen Konzentration bei vielen Patientinnen mit epithelialem Eierstockkrebs erhöht ist.

Der Wert ist jedoch nicht spezifisch für Eierstockkrebs. CA-125 kann u.a. auch erhöht sein bei:

  • Endometriose
  • gutartigen Eierstockveränderungen
  • Entzündungen im Bauchraum
  • Erkrankungen der Leber
  • Schwangerschaft
  • Menstruation
  • anderen Krebserkrankungen

Umgekehrt kann trotz Eierstockkrebs ein normaler CA-125-Wert vorliegen. Der Marker eignet sich daher weder zur sicheren Diagnose noch zur allgemeinen Früherkennung.

Ist der Wert vor der Behandlung erhöht, kann er später gemeinsam mit Beschwerden und Bildgebung zur Verlaufskontrolle verwendet werden.

Bei bestimmten Tumorformen können zusätzlich andere Marker wie CEA, CA 19-9, AFP, β-HCG oder Inhibin untersucht werden.

Wie wird die Diagnose bestätigt?

Die definitive Diagnose wird durch eine feingewebliche Untersuchung gestellt. Dazu benötigt die Pathologie eine Gewebeprobe.

Meist wird das Gewebe während der ersten Operation entnommen. Soll zunächst eine Chemotherapie und erst später eine Operation durchgeführt werden, muss die Diagnose vorher durch eine Gewebeentnahme gesichert werden.

Die Pathologie bestimmt u.a.:

  • ob der Tumor bösartig ist
  • aus welcher Zellart er entstanden ist
  • welche histologische Unterform vorliegt
  • wie stark sich die Zellen von gesundem Gewebe unterscheiden
  • ob bestimmte Eiweiße oder genetische Veränderungen vorhanden sind

Diese Informationen sind für die Auswahl der Behandlung entscheidend.

Welche Stadien gibt es?

Eierstockkrebs wird nach der FIGO-Klassifikation in 4 Hauptstadien eingeteilt. Das endgültige Stadium kann häufig erst nach der Operation und der feingeweblichen Untersuchung festgelegt werden.

✅ FIGO-Stadium I

Der Tumor ist auf einen oder beide Eierstöcke bzw. Eileiter begrenzt.

Innerhalb des Stadiums wird u.a. unterschieden, ob

  • nur ein Eierstock betroffen ist
  • beide Eierstöcke betroffen sind
  • die Tumorkapsel unversehrt ist
  • Tumorzellen an der Oberfläche oder in der Bauchflüssigkeit nachweisbar sind

FIGO-Stadium II

Der Tumor hat sich auf weitere Organe im kleinen Becken ausgebreitet, z.B. auf die Gebärmutter, die Eileiter oder andere Gewebe im Becken.

FIGO-Stadium III

Der Krebs hat sich außerhalb des kleinen Beckens innerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet oder bestimmte Lymphknoten befallen.

Häufig finden sich Tumorherde auf dem Bauchfell, dem Darm oder dem großen Bauchnetz.

FIGO-Stadium IV

Es liegen Fernmetastasen vor, beispielsweise im Inneren der Leber oder Milz, in weiter entfernten Lymphknoten oder in Organen außerhalb der Bauchhöhle. Auch Tumorzellen in einem krankheitsbedingten Flüssigkeitserguss um die Lunge können zum Stadium IV führen.

Das Stadium beschreibt die Ausbreitung der Erkrankung. Die feingewebliche und molekulare Unterform kann für Behandlung und Prognose ebenso wichtig sein.

Was bedeutet das Grading?

Das Grading beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen von gesundem Gewebe unterscheiden.

„Low-grade“ bzw. gut differenzierte Zellen ähneln dem ursprünglichen Gewebe stärker und wachsen häufig langsamer.

„High-grade“ bzw. schlecht differenzierte Tumorzellen unterscheiden sich deutlich von gesunden Zellen und wachsen meist schneller.

Bei serösen Karzinomen wird häufig direkt zwischen „low-grade“ und „high-grade“ unterschieden. Diese beiden Formen gelten biologisch als unterschiedliche Erkrankungen und nicht lediglich als verschiedene Schweregrade desselben Tumors.

Welche molekularen Untersuchungen sind wichtig?

Bei einem fortgeschrittenen „high-grade“ Eierstockkrebs soll der Tumor auf Veränderungen in BRCA1 und BRCA2 sowie auf eine homologe Rekombinationsdefizienz, kurz HRD, untersucht werden.

Die homologe Rekombination ist ein Reparaturmechanismus, mit dem Zellen schwere Schäden im Erbgut beheben. Funktioniert dieser Mechanismus im Tumor nicht ausreichend, spricht man von einer HRD.

Eine HRD kann durch eine BRCA-Veränderung entstehen, aber auch durch andere Störungen der DNA-Reparatur. Das Ergebnis kann beeinflussen, ob eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Hemmer infrage kommt.

Je nach Tumorunterform und Behandlungssituation können außerdem untersucht werden:

  • Mismatch-Reparaturproteine
  • Mikrosatelliteninstabilität
  • BRAF-, KRAS- oder NRAS-Veränderungen
  • NTRK-Genfusionen
  • Hormonrezeptoren
  • Folatrezeptor alpha, kurz FRα
  • weitere Veränderungen im Rahmen einer umfassenden Tumoranalyse

Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Patientin notwendig. Die Auswahl richtet sich nach Tumortyp, Stadium, Vorbehandlungen und verfügbaren Therapien.

Wo sollte Eierstockkrebs behandelt werden?

Die Behandlung sollte möglichst in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum erfolgen, das über große Erfahrung mit Operationen und medikamentösen Therapien bei Eierstockkrebs verfügt.

Die Therapie wird normalerweise in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Dabei können u.a. beteiligt sein:

  • gynäkologische Onkologen
  • Pathologen
  • Radiologen
  • internistische Onkologen
  • Strahlentherapeuten
  • Humangenetiker
  • spezialisierte Chirurgen
  • Palliativmediziner

Besonders die Qualität und Vollständigkeit der ersten Operation haben großen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf.

Welche Ziele hat die Behandlung?

In frühen Stadien wird die Behandlung mit dem Ziel einer dauerhaften Heilung durchgeführt.

Auch bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs wird zunächst häufig versucht, sämtliche sichtbaren Tumorherde zu entfernen und eine möglichst lange krankheitsfreie Zeit zu erreichen.

Wenn die Erkrankung nicht mehr dauerhaft heilbar ist, sind folgende Behandlungsziele wichtig:

  • das Tumorwachstum aufzuhalten oder zu verlangsamen
  • Beschwerden zu lindern
  • Komplikationen zu verhindern
  • die Lebensqualität zu erhalten
  • die Lebenszeit zu verlängern
  • möglichst lange behandlungsfreie Zeiträume zu erreichen

Wie wird Eierstockkrebs operiert?

Die Operation dient sowohl der Behandlung als auch der genauen Bestimmung des Tumorstadiums.

Das wichtigste operative Ziel ist ein makroskopisch tumorfreier Zustand. Das bedeutet, dass am Ende des Eingriffs keine sichtbaren Tumorreste mehr vorhanden sind. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren für den weiteren Krankheitsverlauf.

Je nach Tumorausbreitung kann die Operation umfassen:

  • Entfernung eines oder beider Eierstöcke
  • Entfernung der Eileiter
  • Entfernung der Gebärmutter
  • Entfernung des großen Bauchnetzes
  • Entnahme von Gewebeproben aus dem Bauchfell
  • Entfernung auffälliger Lymphknoten
  • Entfernung von Tumorherden auf dem Bauchfell
  • Entfernung befallener Darmabschnitte
  • Entfernung von Teilen anderer betroffener Organe

Welche Schritte tatsächlich notwendig sind, kann teilweise erst während der Operation entschieden werden. Deshalb wird vor dem Eingriff ausführlich über mögliche Erweiterungen der Operation aufgeklärt.

Sind bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs alle sichtbaren Tumorherde entfernt und die Lymphknoten klinisch unauffällig, ist eine vorsorgliche vollständige Entfernung zahlreicher unauffälliger Lymphknoten normalerweise nicht notwendig.

Ist eine minimalinvasive Operation möglich?

Bei einem begründeten Verdacht auf ein invasives Ovarialkarzinom wird häufig über einen größeren Bauchschnitt operiert. Dadurch kann das Operationsteam die gesamte Bauchhöhle untersuchen und umfangreiche Tumorherde entfernen.

Eine Bauchspiegelung kann in ausgewählten Situationen zur Beurteilung der Operabilität oder zur Entnahme einer Gewebeprobe eingesetzt werden.

Welche Operationstechnik geeignet ist, sollte in einem erfahrenen gynäkologischen Tumorzentrum entschieden werden.

Kann die Fruchtbarkeit erhalten werden?

Bei ausgewählten jungen Patientinnen mit einem sehr frühen, einseitigen Tumor kann eine fertilitätserhaltende Operation möglich sein.

Dabei können unter Umständen:

  • der nicht betroffene Eierstock
  • der zugehörige Eileiter
  • die Gebärmutter

erhalten bleiben.

Voraussetzung ist normalerweise eine sorgfältige operative Stadienbestimmung. Die Möglichkeit hängt außerdem von Tumorunterform, Stadium, Grading und persönlichem Rückfallrisiko ab. Eine fertilitätserhaltende Operation kann mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden sein.

Vor der Behandlung sollte deshalb, sofern zeitlich möglich, eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum für gynäkologische Onkologie und Kinderwunschmedizin erfolgen.

Wann wird zuerst operiert?

Bei den meisten grundsätzlich operablen Patientinnen ist die Operation der erste Behandlungsschritt.

Anschließend wird anhand des Tumorstadiums und des feingeweblichen Befundes entschieden, ob eine Chemotherapie und eine Erhaltungstherapie notwendig sind.

Wann wird zuerst eine Chemotherapie durchgeführt?

Bei manchen Patientinnen ist eine vollständige Tumorentfernung bei der Erstdiagnose voraussichtlich nicht möglich oder die Belastung einer sofortigen großen Operation wäre zu hoch.

Dann kann zunächst eine Chemotherapie durchgeführt werden. Nach mehreren Behandlungszyklen wird erneut untersucht, ob eine Operation möglich ist. Dieses Vorgehen wird als neoadjuvante Chemotherapie mit anschließender Intervalloperation bezeichnet.

Vor Beginn muss die Diagnose durch eine Gewebeprobe gesichert sein.

Die Entscheidung sollte in einem erfahrenen Zentrum nach sorgfältiger Abwägung getroffen werden. Eine Chemotherapie vor der Operation ist nicht grundsätzlich besser als eine primäre Operation, kann aber für einzelne Patientinnen die geeignetere Strategie darstellen.

Welche Chemotherapie wird eingesetzt?

Die Standard-Chemotherapie bei einem fortgeschrittenen epithelialen Eierstockkrebs besteht aus den Wirkstoffen:

  • Carboplatin
  • Paclitaxel

Beide Medikamente werden meistens als Infusion in wiederkehrenden Behandlungszyklen gegeben. In der Regel sind 6 Zyklen vorgesehen. Zwischen den Zyklen liegen Erholungspausen.

Carboplatin schädigt das Erbgut der Tumorzellen. Paclitaxel stört die Zellteilung.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Veränderungen des Blutbildes
  • erhöhtes Infektionsrisiko
  • Haarausfall
  • Schleimhautbeschwerden
  • Nervenschäden mit Kribbeln oder Taubheitsgefühlen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • allergische Reaktionen

Die meisten Nebenwirkungen sind behandelbar. Dosierungen und Zeitabstände können bei Bedarf angepasst werden.

Benötigt jede Patientin eine Chemotherapie?

Nicht jede Patientin mit einem sehr frühen Eierstockkrebs benötigt nach der vollständigen Operation eine Chemotherapie.

Ob eine zusätzliche Behandlung sinnvoll ist, richtet sich vor allem nach diesen Kriterien:

  • dem Stadium der Erkrankung (nach FIGO)
  • der genauen Art des Tumors (Tumorunterform)
  • der Aggressivität der Krebszellen (Grading)
  • dem genauen Stadium (Stadienbestimmung)
  • einem möglichen Austritt von Tumorzellen aus dem Eierstock
  • ob und wie viel Tumorgewebe nach der Operation zurückgeblieben ist

Bei fortgeschritteneren Stadien wird im Allgemeinen eine Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel empfohlen.

Was ist Bevacizumab?

Bevacizumab ist ein Antikörper, der den Botenstoff VEGF hemmt. VEGF unterstützt die Bildung neuer Blutgefäße, die ein Tumor für sein Wachstum benötigt.

Bevacizumab kann bei bestimmten Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs zusammen mit der Chemotherapie begonnen und anschließend als Erhaltungstherapie fortgeführt werden.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Bluthochdruck
  • Eiweißverlust über den Urin
  • Blutungen
  • verzögerte Wundheilung
  • Blutgerinnsel
  • selten eine Schädigung oder Durchbrechung der Darmwand

Da Bevacizumab die Wundheilung beeinträchtigen kann, müssen Operation und Medikamentengabe zeitlich sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.

Was ist eine Erhaltungstherapie?

Eine Erhaltungstherapie wird nach Operation und Chemotherapie durchgeführt, wenn die Erkrankung vollständig oder teilweise auf die Behandlung angesprochen hat.

Sie soll verbliebene Tumorzellen möglichst lange unter Kontrolle halten und das erneute Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern.

Bei einem fortgeschrittenen „high-grade“ Ovarialkarzinom können je nach Situation eingesetzt werden:

  • Bevacizumab
  • ein PARP-Hemmer
  • eine Kombination aus Olaparib und Bevacizumab

Die Auswahl hängt insbesondere vom BRCA- und HRD-Status, der vorausgegangenen Chemotherapie, möglichen Gegenanzeigen und den persönlichen Präferenzen der Patientin ab.

Was sind PARP-Hemmer?

PARP-Enzyme helfen Zellen bei der Reparatur bestimmter DNA-Schäden. PARP-Hemmer blockieren diese Reparatur.

Tumorzellen mit einer BRCA-Veränderung oder einer anderen homologen Rekombinationsdefizienz können solche Schäden besonders schlecht ausgleichen. Sie sind deshalb häufig empfindlicher gegenüber einer PARP-Hemmung.

Zu den beim Eierstockkrebs eingesetzten PARP-Hemmern gehören insbesondere:

  • Olaparib
  • Niraparib

Olaparib kann bei einem neu diagnostizierten fortgeschrittenen Eierstockkrebs mit BRCA1- oder BRCA2-Veränderung als Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Die Kombination aus Olaparib und Bevacizumab kommt für bestimmte Patientinnen mit einem HRD-positiven Tumor infrage. Niraparib kann nach einer erfolgreichen platinhaltigen Erstbehandlung, abhängig von der individuellen Situation, ebenfalls als Erhaltungstherapie eingesetzt werden.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • Übelkeit
  • Müdigkeit
  • Blutarmut
  • verminderte Thrombozyten
  • verminderte Leukozyten
  • Verdauungsbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Schlafstörungen
  • Bluthochdruck, insbesondere unter Niraparib

Das Blutbild wird während der Behandlung regelmäßig kontrolliert. Selten können schwerwiegende Erkrankungen der Blutbildung auftreten. Anhaltende Veränderungen des Blutbildes müssen deshalb abgeklärt werden.

Was geschieht nach Abschluss der Erstbehandlung?

Nach Operation, Chemotherapie und ggf. Erhaltungstherapie werden regelmäßige Kontrolltermine vereinbart.

Wenn keine Erkrankung mehr nachweisbar ist, wird von einer vollständigen Remission gesprochen. Dies schließt das Vorhandensein einzelner verbliebener Krebszellen im Körper nicht völlig aus.

Bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs besteht trotz erfolgreicher Behandlung ein erhebliches Risiko, dass die Erkrankung später erneut auftritt.

Was ist ein Rezidiv?

Ein Rezidiv ist ein Rückfall der Erkrankung. Ein Rückfall kann sich zeigen durch:

  • neue Beschwerden
  • auffällige Befunde in der Untersuchung
  • neue Tumorherde in CT oder MRT
  • einen erneuten Anstieg des Tumormarkers CA-125

Ein steigender CA-125-Wert allein macht den sofortigen Beginn einer neuen Behandlung nicht zwingend erforderlich. Entscheidend sind die Gesamtsituation, Beschwerden, Bildgebung und die Frage, ob eine frühe Therapie der Patientin tatsächlich einen Vorteil bringt.

Wie wird ein Rückfall behandelt?

Die Behandlung eines Rezidivs wird individuell festgelegt.

Wichtige Faktoren sind:

  • Dauer seit der letzten platinhaltigen Chemotherapie
  • bisheriges Ansprechen auf Platin
  • Zahl und Art der Vorbehandlungen
  • frühere Erhaltungstherapien
  • Tumorunterform und molekulare Eigenschaften
  • bestehende Nebenwirkungen
  • allgemeiner Gesundheitszustand
  • aktuelle Beschwerden
  • persönliche Behandlungsziele

Die frühere starre Einteilung in „platinsensibel“ nach mehr als sechs Monaten und „platinresistent“ nach weniger als sechs Monaten wird zunehmend durch eine umfassendere Beurteilung der Platin-Eignung ersetzt.

Wann kommt erneut eine platinhaltige Chemotherapie infrage?

Hat die frühere platinhaltige Behandlung gut und über längere Zeit gewirkt, kann eine erneute Kombination mit Carboplatin sinnvoll sein.

Mögliche Kombinationen sind z.B.:

  • Carboplatin und pegyliertes liposomales Doxorubicin
  • Carboplatin und Gemcitabin
  • Carboplatin und Paclitaxel

Je nach Vorbehandlung kann zusätzlich Bevacizumab eingesetzt werden.

Welche Kombination am besten geeignet ist, hängt u.a. von bestehenden Nervenschäden, Blutbildveränderungen, Allergien und früheren Nebenwirkungen ab.

Wann kommt keine weitere Platintherapie infrage?

Eine weitere Platinbehandlung kann ungeeignet sein, wenn

  • der Tumor während oder kurz nach der letzten Platintherapie fortgeschritten ist
  • eine schwere Platinallergie besteht
  • erhebliche Nebenwirkungen aufgetreten sind
  • die gesundheitliche Situation eine erneute Kombination nicht zulässt

Dann werden häufig einzelne Medikamente eingesetzt, wie etwa:

  • wöchentliches Paclitaxel
  • pegyliertes liposomales Doxorubicin
  • Gemcitabin
  • Topotecan

In bestimmten Situationen können diese Medikamente mit Bevacizumab kombiniert werden. Bei der Therapieauswahl sind die Lebensqualität und Verträglichkeit ebenso ausschlaggebend wie die Kontrolle des Tumors.

Kann bei einem Rückfall erneut operiert werden?

Bei einzelnen Patientinnen kann eine zweite Operation sinnvoll sein.

Voraussetzung ist insbesondere, dass voraussichtlich erneut sämtliche sichtbaren Tumorherde entfernt werden können. Zur Einschätzung werden u.a. berücksichtigt:

  • Ergebnis der ersten Operation
  • Allgemeinzustand
  • Menge der Bauchwasseransammlung
  • Lage und Anzahl der Tumorherde
  • Zeit seit der ersten Behandlung

Bei einer Rezidivoperation ist es ratsam, die Behandlung vorab mit den Experten eines erfahrenen Zentrums zu besprechen. Ein Überlebensvorteil wurde vor allem bei Patientinnen beobachtet, bei denen bei der erneuten Operation tatsächlich eine vollständige Entfernung aller sichtbaren Tumorherde gelang.

Was ist Mirvetuximab-Soravtansin?

Mirvetuximab-Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Es besteht aus einem Antikörper gegen den Folatrezeptor alpha und einem daran gebundenen Zellgift.

Der Antikörper bindet an FRα-positive Tumorzellen. Das Medikament wird in die Zelle aufgenommen und setzt dort den chemotherapeutisch wirksamen Bestandteil frei.

In der Europäischen Union ist Mirvetuximab-Soravtansin für erwachsene Patientinnen mit einem FRα-positiven, platinresistenten, „high-grade“ serösen Eierstock-, Eileiter- oder primären Bauchfellkarzinom zugelassen, die bereits ein bis drei systemische Behandlungslinien erhalten haben. Vor der Behandlung muss der Tumor auf FRα untersucht werden.

Zu beachten sind mögliche Nebenwirkungen an den Augen, wie etwa

  • verschwommenes Sehen
  • trockene Augen
  • Hornhautveränderungen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Augenschmerzen

Vor und während der Therapie sind deshalb augenärztliche Untersuchungen und vorbeugende Augentropfen vorgesehen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit und Nervenschäden.

Welche Rolle spielt eine Immuntherapie?

Checkpoint-Hemmer gehören beim häufigen „high-grade“ serösen Eierstockkrebs bislang nicht zur allgemeinen Standardbehandlung.

Sie können jedoch bei seltenen Tumoren infrage kommen, die eine ausgeprägte Mikrosatelliteninstabilität oder einen Defekt der Mismatch-Reparatur aufweisen. Diese Veränderungen kommen häufiger bei bestimmten endometrioiden Tumoren oder im Zusammenhang mit einem Lynch-Syndrom vor.

In einer solchen Situation kann beispielsweise eine Behandlung mit dem PD-1-Hemmer Pembrolizumab untersucht werden.

Wie wird ein „low-grade“ seröses Karzinom behandelt?

Das „low-grade“ seröse Ovarialkarzinom ist seltener und wächst im Durchschnitt langsamer als die „high-grade“ Form.

Es ist häufig weniger empfindlich gegenüber einer klassischen Chemotherapie. Neben Operation und Chemotherapie können deshalb antihormonelle Behandlungen eine Rolle spielen, insbesondere wenn der Tumor Hormonrezeptoren aufweist.

Mögliche Medikamente sind:

  • Aromatase-Hemmer
  • Tamoxifen

Bei einem Rückfall kann in bestimmten Situationen auch eine Hemmung des MAP-Kinase-Signalwegs erwogen werden. Einige dieser Behandlungen sind beim „low-grade“ serösen Eierstockkrebs nicht regulär zugelassen und müssen daher individuell oder im Rahmen einer klinischen Studie untersucht werden.

Welche Rolle spielt die Strahlentherapie?

Eine Bestrahlung gehört nicht zur üblichen Erstbehandlung eines epithelialen Eierstockkrebses, da sich die Erkrankung häufig über größere Bereiche der Bauchhöhle ausbreitet.

Sie kann in bestimmten Situationen eingesetzt werden, wie z.B.

  • zur Behandlung einzelner schmerzhafter Metastasen
  • zur Blutstillung
  • bei einer örtlich begrenzten Tumormasse
  • zur Linderung anderer lokaler Beschwerden

Die Entscheidung wird individuell getroffen.

Wie wird Bauchwasser behandelt?

Eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle kann Druckgefühl, Schmerzen, frühe Sättigung und Atemnot verursachen.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • Behandlung des zugrunde liegenden Tumors
  • Ableitung der Flüssigkeit durch eine Punktion
  • bei wiederholter starker Bildung ein dauerhaft oder länger liegendes Ableitungssystem
  • unterstützende Behandlung von Atemnot, Übelkeit und Ernährungsproblemen

Eine Punktion kann Beschwerden häufig rasch lindern. Die Flüssigkeit kann sich jedoch erneut bilden.

Was geschieht bei einem Darmverschluss?

Tumorherde und Verwachsungen können den Darm einengen oder seine Beweglichkeit beeinträchtigen.

Die Behandlung hängt von Ursache, Lage und Umfang des Verschlusses sowie vom Allgemeinzustand ab.

Mögliche Maßnahmen sind:

  • vorübergehender Verzicht auf Nahrung
  • Flüssigkeit und Medikamente über die Vene
  • eine Magensonde
  • Medikamente gegen Übelkeit und Schmerzen
  • Kortison oder andere symptomlindernde Medikamente
  • ein Stent
  • eine Operation
  • eine künstliche Ernährung in bestimmten Situationen

Die Therapieplanung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der gynäkologischen Onkologie, der Chirurgie und der Palliativmedizin.

Welche weiteren unterstützenden Behandlungen gibt es?

Unterstützende Maßnahmen können während sämtlicher Krankheitsphasen notwendig sein.

Dazu gehören:

  • wirksame Schmerztherapie
  • Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen
  • Behandlung einer Blutarmut
  • Vorbeugung und Behandlung von Infektionen
  • Behandlung von Nervenschäden
  • Thromboseprophylaxe
  • Ernährungsberatung
  • Physiotherapie
  • Behandlung eines Lymphödems
  • psychoonkologische Unterstützung
  • sozialrechtliche Beratung
  • spezialisierte ambulante oder stationäre Palliativversorgung

Palliativmedizin bedeutet nicht, dass keine Krebstherapie mehr durchgeführt wird. Sie kann frühzeitig parallel zur Behandlung des Tumors eingesetzt werden, um Beschwerden und Belastungen zu verringern.

Welche Folgen kann die Operation haben?

Da die Operation bei Eierstockkrebs häufig umfangreich ist, benötigt der Körper Zeit zur Erholung.

Mögliche Folgen sind:

  • Bauch- und Wundschmerzen
  • Verdauungsprobleme
  • Verwachsungen
  • Veränderungen des Stuhlgangs
  • Narbenbrüche
  • Lymphödeme
  • Einschränkungen der Sexualität
  • Erschöpfung
  • vorzeitige Wechseljahre
  • Verlust der Fruchtbarkeit

Werden vor den natürlichen Wechseljahren beide Eierstöcke entfernt, fällt der Hormonspiegel sehr plötzlich ab. Dadurch können Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit, Stimmungsschwankungen und langfristig ein erhöhtes Osteoporoserisiko entstehen. Eine Behandlung dieser Beschwerden sollte individuell mit dem Behandlungsteam besprochen werden.

Wie sieht die Nachsorge aus?

Nach Abschluss der Behandlung finden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen statt.

Dazu gehören abhängig von der Situation:

  • Gespräch über neue Beschwerden
  • körperliche und gynäkologische Untersuchung
  • Tastuntersuchung über die Scheide und den Enddarm
  • Ultraschall durch die Scheide
  • Kontrolle möglicher Therapiefolgen
  • bei konkretem Verdacht eine CT- oder MRT-Untersuchung
  • ggf. CA-125-Kontrollen, wenn der Marker ursprünglich erhöht war

Die Abstände werden individuell festgelegt. Bei neuen Beschwerden sollte nicht bis zum nächsten vereinbarten Termin gewartet werden.

Weitere Ziele der Nachsorge sind:

  • Rehabilitation einzuleiten
  • körperliche und psychische Langzeitfolgen zu behandeln
  • die Bewältigung des Alltags und die berufliche Reintegration zu erleichtern
  • Ernährungs- und Bewegungsprobleme anzusprechen
  • die Lebensqualität zu verbessern

Wie ist die Prognose?

Die Prognose hängt von zahlreichen Faktoren ab:

  • Tumorstadium
  • feingewebliche Unterform
  • Grading
  • genetische und molekulare Eigenschaften
  • Gesundheitszustand
  • vollständige Entfernung sichtbarer Tumorherde
  • Ansprechen auf die Chemotherapie
  • Dauer bis zu einem möglichen Rückfall
  • Wirksamkeit späterer Behandlungen

Wird die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt und vollständig entfernt, bestehen gute Heilungschancen. Da jedoch etwa drei Viertel der Tumoren erst in den Stadien III oder IV festgestellt werden, ist bei vielen Patientinnen eine langfristige Behandlung notwendig.

Auch bei fortgeschrittener Erkrankung können Operation, Chemotherapie und moderne Erhaltungstherapien lange Phasen ohne Fortschreiten ermöglichen. Bei einem Rückfall stehen häufig weitere Behandlungen zur Verfügung.

Statistische Überlebenswerte gelten stets für große Gruppen von Patientinnen. Da neue, wirksame Therapien oft erst Jahre später in die Statistik einfließen, lässt sich der persönliche Krankheitsverlauf daher nicht zuverlässig ableiten.

Wie lebt man mit Eierstockkrebs?

Eierstockkrebs kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen. Neben körperlichen Beschwerden können Ängste, Sorgen um die Familie, Veränderungen der Sexualität und Unsicherheit über den weiteren Krankheitsverlauf auftreten.

Hilfreich können sein:

  • psychoonkologische Beratung
  • Krebsberatungsstellen
  • Selbsthilfegruppen
  • onkologische Rehabilitation
  • individuell angepasstes körperliches Training
  • Ernährungsberatung
  • sexualmedizinische Beratung
  • Beratung zu Schwerbehinderung, Erwerbsminderung und beruflicher Wiedereingliederung

Beschwerden wie Fatigue, Schmerzen, Verdauungsprobleme oder sexuelle Veränderungen sollten aktiv angesprochen werden. Viele dieser Belastungen lassen sich behandeln oder zumindest lindern.

Welche Rolle spielen klinische Studien?

Die Behandlung von Eierstockkrebs entwickelt sich laufend weiter. Klinische Studien untersuchen u.a.:

  • neue Antikörper-Wirkstoff-Konjugate
  • neue PARP-Hemmer und Kombinationen
  • Immuntherapien
  • neue Behandlungen nach einer PARP-Therapie
  • zielgerichtete Therapien für seltene Genveränderungen
  • Behandlungen „low-grade“ seröser Karzinome
  • bessere Auswahl von Patientinnen für eine Rezidivoperation
  • neue Strategien zur Vermeidung von Resistenzen
  • Möglichkeiten, Nebenwirkungen zu verringern

Eine Studienteilnahme kann bereits bei der Erstdiagnose, besonders aber bei einem Rückfall oder einer seltenen Tumorunterform sinnvoll sein.

Die Teilnahme an einer Studie ist freiwillig. Vor einer Entscheidung sollten Patientinnen erfahren:

  • welches Ziel die Studie verfolgt
  • welche reguläre Behandlung alternativ möglich wäre
  • ob eine zufällige Zuteilung erfolgt
  • welche zusätzlichen Termine notwendig sind
  • welche bekannten und unbekannten Risiken bestehen
  • wie lange die Behandlung dauert
  • wer Ansprechpartner bei Nebenwirkungen ist

Nicht jeder behandelnde Arzt kennt sämtliche aktuell rekrutierende Eierstockkrebs-Studien. Eine gezielte Studienrecherche und eine Zweitmeinung in einem spezialisierten Zentrum können deshalb hilfreich sein.

Welche Fragen können Patientinnen ihrem Arzt stellen?

  • Welche genaue Unterform von Eierstockkrebs liegt bei mir vor?
  • Welches FIGO-Stadium wurde festgestellt?
  • Ist der Tumor vollständig operierbar?
  • Sollte ich in einem gynäkologischen Tumorzentrum behandelt werden?
  • Ist zunächst eine Operation oder eine Chemotherapie sinnvoll?
  • Welche Organe müssen möglicherweise entfernt werden?
  • Kann meine Fruchtbarkeit erhalten werden?
  • Welche Chemotherapie empfehlen Sie und warum?
  • Kommt Bevacizumab für mich infrage?
  • Wurde mein Tumor auf BRCA1, BRCA2 und HRD untersucht?
  • Benötige ich eine humangenetische Beratung?
  • Welche Erhaltungstherapie wird empfohlen?
  • Wie lange soll die Erhaltungstherapie dauern?
  • Welche Nebenwirkungen muss ich sofort melden?
  • Wie wird kontrolliert, ob die Behandlung wirkt?
  • Was bedeutet ein Anstieg des CA-125-Wertes?
  • Kommt bei einem Rückfall eine erneute Operation infrage?
  • Wurde der Tumor auf FRα, MSI oder andere Zielstrukturen untersucht?
  • Gibt es eine geeignete klinische Studie?
  • Wo kann ich eine Zweitmeinung erhalten?

Quellen und medizinischer Hinweis

Wesentliche Grundlagen dieser Ratgeber-Seite sind:

  • S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“, Version 6.1, Leitlinienprogramm Onkologie.
  • Onkopedia-Leitlinie „Ovarialkarzinom“ der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie.
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums: Informationen zu Eierstockkrebs, Diagnostik, Therapie und Nachsorge, aktualisiert am 11. Februar 2025.
  • Europäische Arzneimittel-Agentur: Zulassungsinformationen zu Olaparib, Niraparib und Mirvetuximab-Soravtansin.

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