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Eierstockkrebs (auch Ovarialkarzinom genannt) ist eine bösartige Erkrankung der Eierstöcke. Die Erkrankung verursacht in frühen Stadien häufig keine eindeutigen Beschwerden. Deshalb wird sie bei vielen Patientinnen erst festgestellt, wenn sie sich bereits innerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet hat.
Die wichtigsten Behandlungen sind die Operation und eine Chemotherapie. Bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs können zusätzlich zielgerichtete Medikamente eingesetzt werden. Welche Behandlung geeignet ist, hängt u.a. vom Tumorstadium, der feingeweblichen Unterform, bestimmten genetischen Eigenschaften des Tumors und der gesundheitlichen Situation der Patientin ab.
Eierstockkrebs ist nicht nur eine einzelne Erkrankung. Es gibt verschiedene Unterformen, die unterschiedlich wachsen und unterschiedlich behandelt werden können.
Die beiden Eierstöcke liegen rechts und links neben der Gebärmutter im kleinen Becken. Sie sind über die Eileiter mit der Gebärmutter verbunden.
Vor den Wechseljahren erfüllen die Eierstöcke zwei zentrale Aufgaben: Sie sind für die Reifung der Eizellen verantwortlich und produzieren die weiblichen Geschlechtshormone, insbesondere Östrogen und Progesteron.
Die Hormone steuern u.a. den Menstruationszyklus und beeinflussen Knochen, Haut, Schleimhäute, Stoffwechsel und Sexualität.
Nach den Wechseljahren stellen die Eierstöcke ihre Hormonproduktion weitgehend ein. Grundsätzlich können Frauen jedoch sowohl vor als auch nach den Wechseljahren an Eierstockkrebs erkranken. Das Erkrankungsrisiko steigt deutlich mit zunehmendem Alter.
Die Eierstöcke bestehen aus verschiedenen Zell- und Gewebearten. Aus nahezu jeder dieser Zellarten kann sich ein Tumor entwickeln. Diese werden in 3 Gruppen unterteilt:
Epitheliale Tumoren entstehen aus Deck- bzw. Drüsengewebe. Rund 9 von 10 bösartigen Eierstocktumoren gehören zu dieser Gruppe.
Zu den wichtigsten epithelialen Unterformen gehören:
Die mit Abstand häufigste Unterform ist das „high-grade“ seröse Karzinom. Es wächst meist schneller als Low-grade-Tumoren und wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Viele dieser Tumoren entstehen nach heutigem Verständnis wahrscheinlich nicht unmittelbar im Eierstock, sondern aus Vorläuferzellen im äußeren Abschnitt des Eileiters.
Keimzelltumoren entstehen aus Zellen, aus denen normalerweise die Eizellen hervorgehen. Sie sind selten und treten häufiger bei jüngeren Frauen und Mädchen auf.
Keimzelltumoren können sich hinsichtlich ihrer Behandlung und Heilungschancen deutlich von den häufigeren epithelialen Tumoren unterscheiden.
Diese seltenen Tumoren entstehen aus hormonbildenden Zellen und dem Stützgewebe des Eierstocks. Einige von ihnen produzieren Hormone und können deshalb beispielsweise ungewöhnliche Blutungen verursachen. Auch sie werden teilweise anders behandelt als epitheliale Ovarialkarzinome.
Borderline-Tumoren nehmen eine Zwischenstellung zwischen gutartigen und bösartigen Eierstocktumoren ein.
Ihre Zellen zeigen auffällige Veränderungen und können sich auf der Oberfläche des Bauchfells ausbreiten. Anders als bei einem invasiven Karzinom wachsen die Zellen jedoch zunächst nicht zerstörend in das umliegende Gewebe ein.
Borderline-Tumoren treten teilweise bei jüngeren Frauen auf. Ihre Prognose ist meist deutlich günstiger als die eines invasiven Eierstockkrebses. Die Behandlung besteht in erster Linie aus einer Operation. Eine Chemotherapie ist bei einem Borderline-Tumor normalerweise nicht vorgesehen.
Krebserkrankungen der Eileiter und des primären Bauchfells ähneln einem epithelialen Eierstockkrebs biologisch sehr stark.
Ein sogenanntes primäres Peritonealkarzinom entsteht im Bauchfell, also der dünnen Gewebeschicht, die die Bauchhöhle und viele Bauchorgane überzieht.
Eileiterkrebs und primärer Bauchfellkrebs werden in der Regel nach denselben Grundsätzen untersucht und behandelt wie Eierstockkrebs. In wissenschaftlichen Studien werden die 3 Erkrankungen deshalb häufig gemeinsam betrachtet.
In Deutschland erkranken jedes Jahr ungefähr 7.200 Frauen an bösartigen Tumoren der Eierstöcke. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwa 68 bis 69 Jahren.
Ungefähr eine von 74 bis 76 Frauen erkrankt im Laufe ihres Lebens an Eierstockkrebs. Etwa drei Viertel der Erkrankungen werden erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium festgestellt.
Die Zahl der Neuerkrankungen und der durch Eierstockkrebs verursachten Todesfälle ist in Deutschland seit Beginn des Jahrtausends zurückgegangen.
Eierstockkrebs entsteht durch Veränderungen im Erbgut einzelner Zellen. Diese Veränderungen können bewirken, dass sich die Zellen unkontrolliert teilen, nicht mehr wie vorgesehen absterben und in umliegendes Gewebe einwachsen.
Warum diese Veränderungen bei einer bestimmten Patientin auftreten, lässt sich meistens nicht eindeutig feststellen. Die meisten Veränderungen entstehen erst im Laufe des Lebens und sind nicht vererbt.
Eine Eierstockkrebserkrankung ist daher in der Regel nicht auf ein bestimmtes persönliches Verhalten zurückzuführen. Auch Frauen, die gesund leben und keine erkennbaren Risikofaktoren haben, können an Eierstockkrebs erkranken.
Das Erkrankungsrisiko steigt insbesondere mit dem Lebensalter.
Weitere Faktoren, die statistisch mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, sind:
Mehrere Schwangerschaften, längere Stillzeiten und die längerfristige Einnahme einer kombinierten Antibabypille sind dagegen mit einem statistisch geringeren Erkrankungsrisiko verbunden. Diese Zusammenhänge erlauben jedoch keine zuverlässige Vorhersage für eine einzelne Frau.
Bei ungefähr jeder vierten Patientin kann eine erbliche Veranlagung eine Rolle spielen. Besonders wichtig sind Veränderungen in den Genen BRCA1 und BRCA2. Auch Veränderungen in weiteren Genen der DNA-Reparatur können das Risiko erhöhen.
BRCA1 und BRCA2 helfen gesunden Zellen normalerweise dabei, Schäden im Erbgut zu reparieren. Ist eines dieser Gene von Geburt an verändert, kann das Risiko für Eierstock-, Eileiter- und Brustkrebs erhöht sein. Je nach Gen können auch weitere Krebsarten in einer Familie häufiger vorkommen.
Ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs kann außerdem beim Lynch-Syndrom bestehen. Dabei sind Gene betroffen, die Fehler beim Kopieren der Erbinformation reparieren. Ein Lynch-Syndrom erhöht insbesondere das Risiko für Darm- und Gebärmutterkörperkrebs, kann aber auch mit Eierstockkrebs verbunden sein.
Eine erbliche Veränderung kann auch dann vorliegen, wenn in der Familie bisher kein Eierstock- oder Brustkrebs bekannt ist.
Patientinnen mit Eierstockkrebs sollten über die Möglichkeit einer erblichen Ursache aufgeklärt werden.
Nach aktuellen deutschen Empfehlungen sollte Frauen unter 80 Jahren grundsätzlich eine genetische Untersuchung auf erbliche Brust- und Eierstockkrebssyndrome angeboten werden. Auch bei älteren Patientinnen kann eine Untersuchung je nach Krankheitsbild und Familiengeschichte sinnvoll sein. Alter und Familienanamnese allein reichen nicht aus, um eine erbliche Veränderung sicher auszuschließen.
Eine genetische Untersuchung kann mehrere Bedeutungen haben:
Wird eine erbliche Veränderung gefunden, sollten Angehörige nicht routinemäßig getestet werden. Zunächst ist eine humangenetische Beratung sinnvoll, in der Nutzen und mögliche Folgen einer Untersuchung erläutert werden.
Es gibt keine Lebensweise, mit der sich Eierstockkrebs sicher verhindern lässt.
Frauen mit einer nachgewiesenen erblichen Hochrisikoveränderung können ihr Erkrankungsrisiko jedoch durch eine vorbeugende Entfernung beider Eileiter und Eierstöcke deutlich verringern.
Der geeignete Zeitpunkt hängt u.a. vom betroffenen Gen, dem persönlichen Erkrankungsrisiko, dem Alter und einem möglicherweise noch bestehenden Kinderwunsch ab. Der Eingriff führt vor den natürlichen Wechseljahren zu einem unmittelbaren Hormonentzug und sollte deshalb ausführlich in einem spezialisierten Zentrum besprochen werden.
Auch nach einer solchen Operation bleibt ein geringes Risiko für einen Tumor des Bauchfells bestehen.
Für Frauen ohne Beschwerden gibt es derzeit keine allgemein empfohlene Früherkennungsuntersuchung auf Eierstockkrebs.
Weder ein regelmäßiger Ultraschall durch die Scheide noch die Bestimmung des Tumormarkers CA-125 konnte in großen Studien die Sterblichkeit an Eierstockkrebs nachweislich senken. Gleichzeitig können auffällige, letztlich aber gutartige Befunde zu belastenden und unnötigen Operationen führen.
Das gilt grundsätzlich auch für Frauen mit einer erblichen Hochrisikoveränderung. Bei ihnen ersetzt eine regelmäßige Ultraschall- oder Tumormarkerkontrolle die vorbeugende Operation nicht.
Ein unauffälliger Ultraschall oder ein normaler CA-125-Wert schließt Eierstockkrebs nicht sicher aus.
Eierstockkrebs verursacht häufig erst dann Beschwerden, wenn der Tumor bereits größer ist oder sich in der Bauchhöhle ausgebreitet hat.
Mögliche Beschwerden sind:
Eine Zunahme des Bauchumfangs kann dadurch entstehen, dass sich Flüssigkeit in der Bauchhöhle ansammelt. Diese Flüssigkeitsansammlung wird Aszites genannt.
Die Beschwerden können zahlreiche harmlose Ursachen haben. Sie sollten aber ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, über mehrere Wochen bestehen, erneut wiederkehren oder zunehmend stärker werden – insbesondere bei Frauen über 50 Jahren.
Patientinnen mit bekanntem oder vermutetem Eierstockkrebs sollten umgehend medizinische Hilfe suchen bei:
Starke Bauchschmerzen, Erbrechen und ein geblähter Bauch können auf einen Darmverschluss hinweisen. Eine einseitige Beinschwellung oder plötzliche Atemnot kann durch ein Blutgerinnsel verursacht sein.
Bei Verdacht auf Eierstockkrebs sind mehrere Untersuchungen notwendig. Der Verdacht ergibt sich häufig aus Beschwerden, einem auffälligen Tastbefund oder einer Veränderung im Ultraschall.
Die endgültige Diagnose kann nur durch die feingewebliche Untersuchung von entnommenem Gewebe gestellt werden.
Der Arzt fragt u.a. nach:
Der Arzt untersucht die Bauchdecke und tastet die inneren Geschlechtsorgane über die Scheide sowie teilweise über den Enddarm ab.
Dadurch können etwa eine Vergrößerung der Eierstöcke, eine verminderte Beweglichkeit der Organe oder Flüssigkeit im Bauchraum auffallen.
Beim transvaginalen Ultraschall wird eine schmale Ultraschallsonde in die Scheide eingeführt.
Dabei beurteilt der Arzt u.a.:
Ein Ultraschall kann den Krebsverdacht erhärten oder abschwächen. Er kann aber nicht mit Sicherheit feststellen, ob eine Veränderung gut- oder bösartig ist.
Bei einem begründeten Krebsverdacht wird meist eine Computertomographie von Brustkorb, Bauch und Becken durchgeführt.
Die CT soll zeigen:
Trotz moderner Bildgebung lässt sich die genaue Ausbreitung häufig erst während der Operation beurteilen.
Eine Magnetresonanztomographie kann bei bestimmten Fragestellungen ergänzend eingesetzt werden.
Eine PET-CT gehört nicht bei jeder Patientin zur Standarddiagnostik. Sie kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn bei einem späteren Rückfall andere Untersuchungen kein eindeutiges Ergebnis liefern.
CA-125 ist ein Eiweiß, dessen Konzentration bei vielen Patientinnen mit epithelialem Eierstockkrebs erhöht ist.
Der Wert ist jedoch nicht spezifisch für Eierstockkrebs. CA-125 kann u.a. auch erhöht sein bei:
Umgekehrt kann trotz Eierstockkrebs ein normaler CA-125-Wert vorliegen. Der Marker eignet sich daher weder zur sicheren Diagnose noch zur allgemeinen Früherkennung.
Ist der Wert vor der Behandlung erhöht, kann er später gemeinsam mit Beschwerden und Bildgebung zur Verlaufskontrolle verwendet werden.
Bei bestimmten Tumorformen können zusätzlich andere Marker wie CEA, CA 19-9, AFP, β-HCG oder Inhibin untersucht werden.
Die definitive Diagnose wird durch eine feingewebliche Untersuchung gestellt. Dazu benötigt die Pathologie eine Gewebeprobe.
Meist wird das Gewebe während der ersten Operation entnommen. Soll zunächst eine Chemotherapie und erst später eine Operation durchgeführt werden, muss die Diagnose vorher durch eine Gewebeentnahme gesichert werden.
Die Pathologie bestimmt u.a.:
Diese Informationen sind für die Auswahl der Behandlung entscheidend.
Eierstockkrebs wird nach der FIGO-Klassifikation in 4 Hauptstadien eingeteilt. Das endgültige Stadium kann häufig erst nach der Operation und der feingeweblichen Untersuchung festgelegt werden.
✅ FIGO-Stadium I
Der Tumor ist auf einen oder beide Eierstöcke bzw. Eileiter begrenzt.
Innerhalb des Stadiums wird u.a. unterschieden, ob
✅ FIGO-Stadium II
Der Tumor hat sich auf weitere Organe im kleinen Becken ausgebreitet, z.B. auf die Gebärmutter, die Eileiter oder andere Gewebe im Becken.
✅ FIGO-Stadium III
Der Krebs hat sich außerhalb des kleinen Beckens innerhalb der Bauchhöhle ausgebreitet oder bestimmte Lymphknoten befallen.
Häufig finden sich Tumorherde auf dem Bauchfell, dem Darm oder dem großen Bauchnetz.
✅ FIGO-Stadium IV
Es liegen Fernmetastasen vor, beispielsweise im Inneren der Leber oder Milz, in weiter entfernten Lymphknoten oder in Organen außerhalb der Bauchhöhle. Auch Tumorzellen in einem krankheitsbedingten Flüssigkeitserguss um die Lunge können zum Stadium IV führen.
Das Stadium beschreibt die Ausbreitung der Erkrankung. Die feingewebliche und molekulare Unterform kann für Behandlung und Prognose ebenso wichtig sein.
Das Grading beschreibt, wie stark sich die Tumorzellen von gesundem Gewebe unterscheiden.
„Low-grade“ bzw. gut differenzierte Zellen ähneln dem ursprünglichen Gewebe stärker und wachsen häufig langsamer.
„High-grade“ bzw. schlecht differenzierte Tumorzellen unterscheiden sich deutlich von gesunden Zellen und wachsen meist schneller.
Bei serösen Karzinomen wird häufig direkt zwischen „low-grade“ und „high-grade“ unterschieden. Diese beiden Formen gelten biologisch als unterschiedliche Erkrankungen und nicht lediglich als verschiedene Schweregrade desselben Tumors.
Bei einem fortgeschrittenen „high-grade“ Eierstockkrebs soll der Tumor auf Veränderungen in BRCA1 und BRCA2 sowie auf eine homologe Rekombinationsdefizienz, kurz HRD, untersucht werden.
Die homologe Rekombination ist ein Reparaturmechanismus, mit dem Zellen schwere Schäden im Erbgut beheben. Funktioniert dieser Mechanismus im Tumor nicht ausreichend, spricht man von einer HRD.
Eine HRD kann durch eine BRCA-Veränderung entstehen, aber auch durch andere Störungen der DNA-Reparatur. Das Ergebnis kann beeinflussen, ob eine Erhaltungstherapie mit einem PARP-Hemmer infrage kommt.
Je nach Tumorunterform und Behandlungssituation können außerdem untersucht werden:
Nicht jede Untersuchung ist bei jeder Patientin notwendig. Die Auswahl richtet sich nach Tumortyp, Stadium, Vorbehandlungen und verfügbaren Therapien.
Die Behandlung sollte möglichst in einem zertifizierten gynäkologischen Krebszentrum erfolgen, das über große Erfahrung mit Operationen und medikamentösen Therapien bei Eierstockkrebs verfügt.
Die Therapie wird normalerweise in einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen. Dabei können u.a. beteiligt sein:
Besonders die Qualität und Vollständigkeit der ersten Operation haben großen Einfluss auf den weiteren Krankheitsverlauf.
In frühen Stadien wird die Behandlung mit dem Ziel einer dauerhaften Heilung durchgeführt.
Auch bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs wird zunächst häufig versucht, sämtliche sichtbaren Tumorherde zu entfernen und eine möglichst lange krankheitsfreie Zeit zu erreichen.
Wenn die Erkrankung nicht mehr dauerhaft heilbar ist, sind folgende Behandlungsziele wichtig:
Die Operation dient sowohl der Behandlung als auch der genauen Bestimmung des Tumorstadiums.
Das wichtigste operative Ziel ist ein makroskopisch tumorfreier Zustand. Das bedeutet, dass am Ende des Eingriffs keine sichtbaren Tumorreste mehr vorhanden sind. Dies ist einer der wichtigsten Faktoren für den weiteren Krankheitsverlauf.
Je nach Tumorausbreitung kann die Operation umfassen:
Welche Schritte tatsächlich notwendig sind, kann teilweise erst während der Operation entschieden werden. Deshalb wird vor dem Eingriff ausführlich über mögliche Erweiterungen der Operation aufgeklärt.
Sind bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs alle sichtbaren Tumorherde entfernt und die Lymphknoten klinisch unauffällig, ist eine vorsorgliche vollständige Entfernung zahlreicher unauffälliger Lymphknoten normalerweise nicht notwendig.
Bei einem begründeten Verdacht auf ein invasives Ovarialkarzinom wird häufig über einen größeren Bauchschnitt operiert. Dadurch kann das Operationsteam die gesamte Bauchhöhle untersuchen und umfangreiche Tumorherde entfernen.
Eine Bauchspiegelung kann in ausgewählten Situationen zur Beurteilung der Operabilität oder zur Entnahme einer Gewebeprobe eingesetzt werden.
Welche Operationstechnik geeignet ist, sollte in einem erfahrenen gynäkologischen Tumorzentrum entschieden werden.
Bei ausgewählten jungen Patientinnen mit einem sehr frühen, einseitigen Tumor kann eine fertilitätserhaltende Operation möglich sein.
Dabei können unter Umständen:
erhalten bleiben.
Voraussetzung ist normalerweise eine sorgfältige operative Stadienbestimmung. Die Möglichkeit hängt außerdem von Tumorunterform, Stadium, Grading und persönlichem Rückfallrisiko ab. Eine fertilitätserhaltende Operation kann mit einem erhöhten Rezidivrisiko verbunden sein.
Vor der Behandlung sollte deshalb, sofern zeitlich möglich, eine Beratung in einem spezialisierten Zentrum für gynäkologische Onkologie und Kinderwunschmedizin erfolgen.
Bei den meisten grundsätzlich operablen Patientinnen ist die Operation der erste Behandlungsschritt.
Anschließend wird anhand des Tumorstadiums und des feingeweblichen Befundes entschieden, ob eine Chemotherapie und eine Erhaltungstherapie notwendig sind.
Bei manchen Patientinnen ist eine vollständige Tumorentfernung bei der Erstdiagnose voraussichtlich nicht möglich oder die Belastung einer sofortigen großen Operation wäre zu hoch.
Dann kann zunächst eine Chemotherapie durchgeführt werden. Nach mehreren Behandlungszyklen wird erneut untersucht, ob eine Operation möglich ist. Dieses Vorgehen wird als neoadjuvante Chemotherapie mit anschließender Intervalloperation bezeichnet.
Vor Beginn muss die Diagnose durch eine Gewebeprobe gesichert sein.
Die Entscheidung sollte in einem erfahrenen Zentrum nach sorgfältiger Abwägung getroffen werden. Eine Chemotherapie vor der Operation ist nicht grundsätzlich besser als eine primäre Operation, kann aber für einzelne Patientinnen die geeignetere Strategie darstellen.
Die Standard-Chemotherapie bei einem fortgeschrittenen epithelialen Eierstockkrebs besteht aus den Wirkstoffen:
Beide Medikamente werden meistens als Infusion in wiederkehrenden Behandlungszyklen gegeben. In der Regel sind 6 Zyklen vorgesehen. Zwischen den Zyklen liegen Erholungspausen.
Carboplatin schädigt das Erbgut der Tumorzellen. Paclitaxel stört die Zellteilung.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
Die meisten Nebenwirkungen sind behandelbar. Dosierungen und Zeitabstände können bei Bedarf angepasst werden.
Nicht jede Patientin mit einem sehr frühen Eierstockkrebs benötigt nach der vollständigen Operation eine Chemotherapie.
Ob eine zusätzliche Behandlung sinnvoll ist, richtet sich vor allem nach diesen Kriterien:
Bei fortgeschritteneren Stadien wird im Allgemeinen eine Chemotherapie mit Carboplatin und Paclitaxel empfohlen.
Bevacizumab ist ein Antikörper, der den Botenstoff VEGF hemmt. VEGF unterstützt die Bildung neuer Blutgefäße, die ein Tumor für sein Wachstum benötigt.
Bevacizumab kann bei bestimmten Patientinnen mit fortgeschrittenem Eierstockkrebs zusammen mit der Chemotherapie begonnen und anschließend als Erhaltungstherapie fortgeführt werden.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
Da Bevacizumab die Wundheilung beeinträchtigen kann, müssen Operation und Medikamentengabe zeitlich sorgfältig aufeinander abgestimmt werden.
Eine Erhaltungstherapie wird nach Operation und Chemotherapie durchgeführt, wenn die Erkrankung vollständig oder teilweise auf die Behandlung angesprochen hat.
Sie soll verbliebene Tumorzellen möglichst lange unter Kontrolle halten und das erneute Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern.
Bei einem fortgeschrittenen „high-grade“ Ovarialkarzinom können je nach Situation eingesetzt werden:
Die Auswahl hängt insbesondere vom BRCA- und HRD-Status, der vorausgegangenen Chemotherapie, möglichen Gegenanzeigen und den persönlichen Präferenzen der Patientin ab.
PARP-Enzyme helfen Zellen bei der Reparatur bestimmter DNA-Schäden. PARP-Hemmer blockieren diese Reparatur.
Tumorzellen mit einer BRCA-Veränderung oder einer anderen homologen Rekombinationsdefizienz können solche Schäden besonders schlecht ausgleichen. Sie sind deshalb häufig empfindlicher gegenüber einer PARP-Hemmung.
Zu den beim Eierstockkrebs eingesetzten PARP-Hemmern gehören insbesondere:
Olaparib kann bei einem neu diagnostizierten fortgeschrittenen Eierstockkrebs mit BRCA1- oder BRCA2-Veränderung als Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Die Kombination aus Olaparib und Bevacizumab kommt für bestimmte Patientinnen mit einem HRD-positiven Tumor infrage. Niraparib kann nach einer erfolgreichen platinhaltigen Erstbehandlung, abhängig von der individuellen Situation, ebenfalls als Erhaltungstherapie eingesetzt werden.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
Das Blutbild wird während der Behandlung regelmäßig kontrolliert. Selten können schwerwiegende Erkrankungen der Blutbildung auftreten. Anhaltende Veränderungen des Blutbildes müssen deshalb abgeklärt werden.
Nach Operation, Chemotherapie und ggf. Erhaltungstherapie werden regelmäßige Kontrolltermine vereinbart.
Wenn keine Erkrankung mehr nachweisbar ist, wird von einer vollständigen Remission gesprochen. Dies schließt das Vorhandensein einzelner verbliebener Krebszellen im Körper nicht völlig aus.
Bei einem fortgeschrittenen Eierstockkrebs besteht trotz erfolgreicher Behandlung ein erhebliches Risiko, dass die Erkrankung später erneut auftritt.
Ein Rezidiv ist ein Rückfall der Erkrankung. Ein Rückfall kann sich zeigen durch:
Ein steigender CA-125-Wert allein macht den sofortigen Beginn einer neuen Behandlung nicht zwingend erforderlich. Entscheidend sind die Gesamtsituation, Beschwerden, Bildgebung und die Frage, ob eine frühe Therapie der Patientin tatsächlich einen Vorteil bringt.
Die Behandlung eines Rezidivs wird individuell festgelegt.
Wichtige Faktoren sind:
Die frühere starre Einteilung in „platinsensibel“ nach mehr als sechs Monaten und „platinresistent“ nach weniger als sechs Monaten wird zunehmend durch eine umfassendere Beurteilung der Platin-Eignung ersetzt.
Hat die frühere platinhaltige Behandlung gut und über längere Zeit gewirkt, kann eine erneute Kombination mit Carboplatin sinnvoll sein.
Mögliche Kombinationen sind z.B.:
Je nach Vorbehandlung kann zusätzlich Bevacizumab eingesetzt werden.
Welche Kombination am besten geeignet ist, hängt u.a. von bestehenden Nervenschäden, Blutbildveränderungen, Allergien und früheren Nebenwirkungen ab.
Eine weitere Platinbehandlung kann ungeeignet sein, wenn
Dann werden häufig einzelne Medikamente eingesetzt, wie etwa:
In bestimmten Situationen können diese Medikamente mit Bevacizumab kombiniert werden. Bei der Therapieauswahl sind die Lebensqualität und Verträglichkeit ebenso ausschlaggebend wie die Kontrolle des Tumors.
Bei einzelnen Patientinnen kann eine zweite Operation sinnvoll sein.
Voraussetzung ist insbesondere, dass voraussichtlich erneut sämtliche sichtbaren Tumorherde entfernt werden können. Zur Einschätzung werden u.a. berücksichtigt:
Bei einer Rezidivoperation ist es ratsam, die Behandlung vorab mit den Experten eines erfahrenen Zentrums zu besprechen. Ein Überlebensvorteil wurde vor allem bei Patientinnen beobachtet, bei denen bei der erneuten Operation tatsächlich eine vollständige Entfernung aller sichtbaren Tumorherde gelang.
Mirvetuximab-Soravtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat. Es besteht aus einem Antikörper gegen den Folatrezeptor alpha und einem daran gebundenen Zellgift.
Der Antikörper bindet an FRα-positive Tumorzellen. Das Medikament wird in die Zelle aufgenommen und setzt dort den chemotherapeutisch wirksamen Bestandteil frei.
In der Europäischen Union ist Mirvetuximab-Soravtansin für erwachsene Patientinnen mit einem FRα-positiven, platinresistenten, „high-grade“ serösen Eierstock-, Eileiter- oder primären Bauchfellkarzinom zugelassen, die bereits ein bis drei systemische Behandlungslinien erhalten haben. Vor der Behandlung muss der Tumor auf FRα untersucht werden.
Zu beachten sind mögliche Nebenwirkungen an den Augen, wie etwa
Vor und während der Therapie sind deshalb augenärztliche Untersuchungen und vorbeugende Augentropfen vorgesehen. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfall, Müdigkeit und Nervenschäden.
Checkpoint-Hemmer gehören beim häufigen „high-grade“ serösen Eierstockkrebs bislang nicht zur allgemeinen Standardbehandlung.
Sie können jedoch bei seltenen Tumoren infrage kommen, die eine ausgeprägte Mikrosatelliteninstabilität oder einen Defekt der Mismatch-Reparatur aufweisen. Diese Veränderungen kommen häufiger bei bestimmten endometrioiden Tumoren oder im Zusammenhang mit einem Lynch-Syndrom vor.
In einer solchen Situation kann beispielsweise eine Behandlung mit dem PD-1-Hemmer Pembrolizumab untersucht werden.
Das „low-grade“ seröse Ovarialkarzinom ist seltener und wächst im Durchschnitt langsamer als die „high-grade“ Form.
Es ist häufig weniger empfindlich gegenüber einer klassischen Chemotherapie. Neben Operation und Chemotherapie können deshalb antihormonelle Behandlungen eine Rolle spielen, insbesondere wenn der Tumor Hormonrezeptoren aufweist.
Mögliche Medikamente sind:
Bei einem Rückfall kann in bestimmten Situationen auch eine Hemmung des MAP-Kinase-Signalwegs erwogen werden. Einige dieser Behandlungen sind beim „low-grade“ serösen Eierstockkrebs nicht regulär zugelassen und müssen daher individuell oder im Rahmen einer klinischen Studie untersucht werden.
Eine Bestrahlung gehört nicht zur üblichen Erstbehandlung eines epithelialen Eierstockkrebses, da sich die Erkrankung häufig über größere Bereiche der Bauchhöhle ausbreitet.
Sie kann in bestimmten Situationen eingesetzt werden, wie z.B.
Die Entscheidung wird individuell getroffen.
Eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle kann Druckgefühl, Schmerzen, frühe Sättigung und Atemnot verursachen.
Mögliche Maßnahmen sind:
Eine Punktion kann Beschwerden häufig rasch lindern. Die Flüssigkeit kann sich jedoch erneut bilden.
Tumorherde und Verwachsungen können den Darm einengen oder seine Beweglichkeit beeinträchtigen.
Die Behandlung hängt von Ursache, Lage und Umfang des Verschlusses sowie vom Allgemeinzustand ab.
Mögliche Maßnahmen sind:
Die Therapieplanung erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen der gynäkologischen Onkologie, der Chirurgie und der Palliativmedizin.
Unterstützende Maßnahmen können während sämtlicher Krankheitsphasen notwendig sein.
Dazu gehören:
Palliativmedizin bedeutet nicht, dass keine Krebstherapie mehr durchgeführt wird. Sie kann frühzeitig parallel zur Behandlung des Tumors eingesetzt werden, um Beschwerden und Belastungen zu verringern.
Da die Operation bei Eierstockkrebs häufig umfangreich ist, benötigt der Körper Zeit zur Erholung.
Mögliche Folgen sind:
Werden vor den natürlichen Wechseljahren beide Eierstöcke entfernt, fällt der Hormonspiegel sehr plötzlich ab. Dadurch können Hitzewallungen, Schlafstörungen, Scheidentrockenheit, Stimmungsschwankungen und langfristig ein erhöhtes Osteoporoserisiko entstehen. Eine Behandlung dieser Beschwerden sollte individuell mit dem Behandlungsteam besprochen werden.
Nach Abschluss der Behandlung finden regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen statt.
Dazu gehören abhängig von der Situation:
Die Abstände werden individuell festgelegt. Bei neuen Beschwerden sollte nicht bis zum nächsten vereinbarten Termin gewartet werden.
Weitere Ziele der Nachsorge sind:
Die Prognose hängt von zahlreichen Faktoren ab:
Wird die Erkrankung in einem frühen Stadium entdeckt und vollständig entfernt, bestehen gute Heilungschancen. Da jedoch etwa drei Viertel der Tumoren erst in den Stadien III oder IV festgestellt werden, ist bei vielen Patientinnen eine langfristige Behandlung notwendig.
Auch bei fortgeschrittener Erkrankung können Operation, Chemotherapie und moderne Erhaltungstherapien lange Phasen ohne Fortschreiten ermöglichen. Bei einem Rückfall stehen häufig weitere Behandlungen zur Verfügung.
Statistische Überlebenswerte gelten stets für große Gruppen von Patientinnen. Da neue, wirksame Therapien oft erst Jahre später in die Statistik einfließen, lässt sich der persönliche Krankheitsverlauf daher nicht zuverlässig ableiten.
Eierstockkrebs kann viele Bereiche des Lebens beeinflussen. Neben körperlichen Beschwerden können Ängste, Sorgen um die Familie, Veränderungen der Sexualität und Unsicherheit über den weiteren Krankheitsverlauf auftreten.
Hilfreich können sein:
Beschwerden wie Fatigue, Schmerzen, Verdauungsprobleme oder sexuelle Veränderungen sollten aktiv angesprochen werden. Viele dieser Belastungen lassen sich behandeln oder zumindest lindern.
Die Behandlung von Eierstockkrebs entwickelt sich laufend weiter. Klinische Studien untersuchen u.a.:
Eine Studienteilnahme kann bereits bei der Erstdiagnose, besonders aber bei einem Rückfall oder einer seltenen Tumorunterform sinnvoll sein.
Die Teilnahme an einer Studie ist freiwillig. Vor einer Entscheidung sollten Patientinnen erfahren:
Nicht jeder behandelnde Arzt kennt sämtliche aktuell rekrutierende Eierstockkrebs-Studien. Eine gezielte Studienrecherche und eine Zweitmeinung in einem spezialisierten Zentrum können deshalb hilfreich sein.
Wesentliche Grundlagen dieser Ratgeber-Seite sind:
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