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Das multiple Myelom ist eine Krebserkrankung der Plasmazellen im Knochenmark. Es entsteht, wenn eine bestimmte Untergruppe der weißen Blutkörperchen – die sogenannten Plasmazellen, die eigentlich für die Abwehr von Krankheitserregern zuständig sind – entarten und sich unkontrolliert vermehren.
Diese Krebszellen produzieren große Mengen eines fehlerhaften Eiweißes (sogenanntes Paraprotein oder M-Gradient). Diese Zellen verdrängen die gesunde Blutbildung und zerstören schleichend die Knochensubstanz. Dieses lässt sich im Blut oder Urin nachweisen.
„Myelom“ bezeichnet eine bösartige Erkrankung von Plasmazellen im Knochenmark.
„Multipel“ bedeutet, dass die Erkrankung häufig an mehreren Stellen des Knochenmarks bzw. in mehreren Knochen gleichzeitig auftritt.
Eine ältere Bezeichnung ist „Morbus Kahler“. Dieser Name wird heute seltener verwendet.
Plasmazellen gehören zum Immunsystem. Sie entstehen aus sogenannten B-Lymphozyten, einer Untergruppe der Leukozyten.
Gesunde Plasmazellen bilden Antikörper. Antikörper helfen dem Körper dabei, Krankheitserreger, wie z.B. Viren und Bakterien, zu erkennen und zu bekämpfen.
Normalerweise produziert der Körper sehr viele unterschiedliche Antikörper, wobei jeder auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet ist. Dadurch kann das Immunsystem auf zahlreiche verschiedene Krankheitserreger reagieren.
Beim multiplen Myelom verändert sich eine einzelne Plasmazelle bösartig. Aus ihr entstehen viele genetisch ähnliche Myelomzellen, die sich im Knochenmark vermehren.
Die veränderten Plasmazellen können sich an verschiedenen Stellen des Knochenmarks ansammeln. Dort verdrängen sie zunehmend die gesunden blutbildenden Zellen.
Das kann dazu führen, dass der Körper
Die meisten Myelomzellen produzieren große Mengen eines einzigen, gleichartigen Antikörpers oder Teile davon. Dieses Eiweiß wird als monoklonales Protein (M-Protein) oder Paraprotein bezeichnet.
Das Paraprotein kann im Blut und teilweise auch im Urin nachgewiesen werden. Für die Abwehr von Infektionen ist es normalerweise nicht brauchbar. Bestimmte Teile des Paraproteins, die sogenannten freien Leichtketten, können außerdem die Nieren schädigen.
Bei einigen Patienten bilden die Myelomzellen nur Leichtketten. Sehr selten lässt sich überhaupt kein Paraprotein nachweisen. In diesem Fall liegt ein nicht sekretorisches oder asekretorisches Myelom vor.
Das Bild zeigt eine mikroskopische Aufnahme des Knochenmarks, in dem krankhafte Plasmazellen zu erkennen sind.
Häufig besteht eine Blutarmut, der rote Blutfarbstoff ist reduziert.
Die Plasmazellen des multiplen Myeloms produzieren funktionslose Antikörper, diese bestehen aus Eiweiß. Durch die vermehrte Produktion der Antikörper kommt es zu einer Eiweißerhöhung im Blut, diese kann im Labor gemessen werden. Der Anteil an den Antikörpern des multiplen Myeloms im Blut wird auch M-Gradient genannt.
Teile des Antikörpers, die sogenannten Leichtketten, werden mit dem Urin ausgeschieden und können im Urin gemessen werden. Dies wird als Bence-Jones-Proteinurie bezeichnet.
Durch die starke Eiweißerhöhung im Blut kann eine Nierenschädigung eintreten. In diesem Fall sind auch die Nierenwerte, wie zum Beispiel das Serum-Kreatinin und der Harnstoff erhöht.
Durch den vermehrten Knochenabbau steigen die Kalziumwerte im Blut an. Es kann zu stark erhöhten Kalziumwerten kommen, einer sogenannten Hyperkalzämie.
Plasmazellerkrankungen können verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen.
Die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz wird als MGUS abgekürzt. Dabei lässt sich bereits ein Paraprotein oder eine kleine Gruppe veränderter Plasmazellen nachweisen.
Es bestehen jedoch keine durch die Plasmazellen verursachten Organschäden.
Eine MGUS ist keine behandlungsbedürftige Krebserkrankung. Sie kommt insbesondere bei älteren Menschen relativ häufig vor. Nur bei einem kleinen Teil der Betroffenen entwickelt sich im Laufe der Zeit ein multiples Myelom oder eine andere behandlungsbedürftige Erkrankung.
Menschen mit MGUS werden deshalb in regelmäßigen Abständen kontrolliert.
Beim schwelenden oder „smouldering“ multiplen Myelom sind bereits mehr veränderte Plasmazellen oder eine größere Menge Paraprotein vorhanden als bei einer MGUS.
Es liegen aber noch keine typischen Organschäden oder anderen eindeutigen Behandlungsgründe vor.
Das schwelende Myelom wird in der Regel zunächst engmaschig beobachtet. Wie hoch das Risiko eines Fortschreitens ist, hängt von verschiedenen Labor-, Knochenmark- und Bildgebungsbefunden ab.
Eine vorbeugende Behandlung ist außerhalb ausgewählter Situationen oder klinischer Studien bislang nicht für jeden Patienten Standard.
Von einem behandlungsbedürftigen multiplen Myelom wird gesprochen, wenn die bereits bestimmte Organschäden verursacht oder Untersuchungsergebnisse ein sehr hohes Risiko für unmittelbar bevorstehende Schäden anzeigen.
Diese Kriterien werden unter dem Begriff „SLiM-CRAB“ zusammengefasst.
Daraus ergeben sich auch die Therapieentscheidungen:
Ein Plasmozytom ist eine lokal begrenzte Ansammlung von bösartigen Plasmazellen, die häufig im Knochen auftritt. Diese Tumore können jedoch auch in Weichgeweben (z. B. in den oberen Atemwegen) vorkommen. Das wichtigste Merkmal des Plasmozytoms ist, dass die Krankheit in der Regel auf eine einzelne Stelle begrenzt ist und keine systemische Ausbreitung zeigt.
Die Prognose ist bei frühzeitiger Diagnose und lokal begrenzter Erkrankung gut. Allerdings besteht ein Risiko von 30 – 50 % für die Entwicklung eines multiplen Myeloms.
Die folgende Abbildung zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen Plasmozytom und multiplem Myelom.
Weiterführende Informationen zum Thema Plasmozytom und multiples Myelom finden Sie auf unserem Blog: Link
Das multiple Myelom ist im Vergleich zu Brust-, Darm-, Lungen- oder Prostatakrebs eine seltene Erkrankung. Unter den bösartigen Erkrankungen des blutbildenden Systems gehört es jedoch zu den häufigeren Formen.
In Deutschland gibt es jährlich rund 7.000 Neuerkrankungen. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.
Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Lebensalter deutlich an. Die meisten Patienten sind bei der Diagnose älter als 70 Jahre. Erkrankungen vor dem 45. Lebensjahr sind sehr selten.
Warum ein Mensch an einem multiplen Myelom erkrankt, lässt sich in den meisten Fällen nicht eindeutig feststellen.
Die Erkrankung entsteht durch Veränderungen im Erbgut einzelner Plasmazellen. Diese Veränderungen führen dazu, dass sich die Zellen unkontrolliert vermehren und normale Kontrollmechanismen umgehen.
Bekannte oder diskutierte Risikofaktoren sind u.a.:
Die Zusammenhänge mit äußeren Einflüssen sind jedoch nicht in jedem Fall eindeutig nachgewiesen. Bei der großen Mehrheit der Patienten bleibt die Ursache ungeklärt.
Eine familiäre Häufung ist möglich, aber selten. Angehörige von Patienten benötigen deshalb normalerweise keine besonderen Früherkennungsuntersuchungen.
Es sind keine Maßnahmen bekannt, mit denen sich das multiple Myelom sicher verhindern lässt. Ein allgemeines Früherkennungsprogramm für beschwerdefreie Menschen wird nicht empfohlen.
Manche Patienten haben bei der Diagnose noch keine Beschwerden. Das multiple Myelom kann viele Jahre ohne Krankheitszeichen verlaufen (asymptomatisch). Beschwerden treten häufig erst im fortgeschrittenen Stadium des multiplen Myeloms auf.
Bei der überwiegenden Mehrzahl der Patienten macht sich das multiple Myelom durch Knochenschmerzen bemerkbar, am häufigsten klagen die Betroffenen über Rückenschmerzen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass zwar sehr viele Menschen über Rückenschmerzen klagen, diese aber nur in den seltensten Fällen auf eine Krebserkrankung mit Knochenbeteiligung zurückzuführen sind. Die häufigste Ursache für Rückenschmerzen sind „Verschleißerscheinungen“ (degenerative Veränderungen) des Bewegungsapparates. Daher vergeht zwischen dem Auftreten von Knochenschmerzen und der Diagnose einer Myelom-Erkrankung oft einige Zeit.
Bei vielen Patienten wird zunächst eine Schmerztherapie (Tablettentherapie) eingeleitet oder versucht, durch Massagen oder Bewegungstherapie Linderung zu verschaffen.
Häufig wird die Erkrankung erst erkannt, wenn weitere Krankheitszeichen, wie Blutarmut, Nierenfunktionsstörungen, Lähmungserscheinungen im Rahmen von Wirbelkörperbrüchen, erhöhte Kalziumwerte im Blut oder auffällige Laborparameter auftreten.
Immer wieder gibt es auch Patienten, bei denen die Erkrankung zufällig diagnostiziert wird, z.B. nachdem bei einer routinemäßigen Blutentnahme auffällige Laborwerte festgestellt wurden.
Häufig wird das Myelom über die sogenannten CRAB-Kriterien definiert, die die Hauptsymptome beschreiben:
✅ C (Calcium):
Durch den verstärkten Knochenabbau kann Kalzium aus den Knochen ins Blut gelangen. Ein deutlich erhöhter Kalziumspiegel wird als Hyperkalzämie bezeichnet.
Mögliche Beschwerden sind:
✅ R (renal = die Niere betreffend):
Eingeschränkte bzw. Verschlechterung der Nierenfunktion, da das fehlerhafte M-Protein die feinen Filtereinheiten der Nieren verstopft. Freie Leichtketten können sich in den Nieren ablagern und dort Schäden verursachen. Weitere Belastungen der Nieren können durch einen erhöhten Kalziumspiegel, Flüssigkeitsmangel, Infektionen oder bestimmte Medikamente entstehen.
Mögliche Anzeichen einer Nierenschädigung sind:
Eine Nierenschädigung kann zunächst aber auch ohne spürbare Beschwerden bestehen.
✅ A (Anämie):
Wenn Myelomzellen die normale Blutbildung verdrängen, können zu wenige Erythrozyten entstehen, was zur Blutarmut führt.
Mögliche Beschwerden sind:
✅ B (bone = Knochen):
Knochenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden. Besonders häufig betroffen sind:
Die Myelomzellen regen knochenabbauende Zellen an und hemmen gleichzeitig den normalen Knochenaufbau. Dadurch können kleine oder größere Defekte im Knochen entstehen. Diese werden als Osteolysen bezeichnet.
Die Knochen können instabil werden. In schweren Fällen treten Knochenbrüche bereits bei geringer Belastung oder sogar ohne erkennbaren Unfall auf.
Darüber hinaus neigen Patienten mit einer Myelom-Erkrankung zu häufigen Infektionen.
Obwohl Myelomzellen große Mengen eines Antikörpers produzieren können, schützt dieses Paraprotein nicht ausreichend vor Krankheitserregern.
Gleichzeitig kann die Bildung normaler Antikörper zurückgehen. Patienten sind deshalb häufig anfälliger für Infektionen, beispielsweise der Atemwege oder der Harnwege. Das Infektionsrisiko kann durch bestimmte Behandlungen zusätzlich steigen.
Nervenschäden können durch die Erkrankung selbst, durch Knochenveränderungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente entstehen.
Mögliche Anzeichen sind:
Diese Beschwerden werden als Polyneuropathie bezeichnet.
Weitere mögliche Beschwerden können sein:
Patienten mit bekanntem oder vermutetem multiplem Myelom sollten unverzüglich medizinische Hilfe suchen bei:
Starke Rückenschmerzen in Verbindung mit neurologischen Ausfällen können auf eine Einengung des Rückenmarks hinweisen. Diese muss schnell diagnostiziert und behandelt werden.
Die Diagnostik erfolgt normalerweise bei einem Facharzt für Hämatologie und Onkologie oder in einem spezialisierten Zentrum.
Zur Abklärung gehören mehrere Untersuchungen. Ein einzelner Blutwert reicht für die Diagnose nicht aus.
In einem ausführlichen Gespräch schildern Sie dem Arzt Ihre Beschwerden und Vorerkrankungen. Es folgt eine körperliche Untersuchung und Ihr Arzt veranlasst eine Reihe von Blut- und Urinuntersuchungen.
Zu den wichtigsten Untersuchungen gehören:
Im Blutbild werden u.a. Erythrozyten und Leukozyten sowie Thrombozyten bestimmt. Dadurch lässt sich erkennen, ob eine Blutarmut, eine verminderte Infektabwehr oder eine erhöhte Blutungsneigung besteht.
Kreatinin und die geschätzte Filterleistung der Nieren geben Hinweise auf die Nierenfunktion. Der Kalziumwert zeigt, ob durch den Knochenabbau zu viel Kalzium ins Blut gelangt ist.
Mit der Serum-Eiweißelektrophorese wird geprüft, ob ein typischer sogenannter M-Gradient vorliegt.
Die Immunfixation hilft dabei festzustellen, welche Art von Paraprotein gebildet wird.
Außerdem werden häufig bestimmt:
• Immunglobuline IgG, IgA und IgM
• freie Kappa- und Lambda-Leichtketten
• das Verhältnis der beiden Leichtkettenarten
• Gesamteiweiß und Albumin
Beta-2-Mikroglobulin, Albumin und LDH helfen dabei, das Stadium und das statistische Risiko der Erkrankung einzuschätzen. Zusätzlich können weitere Organwerte untersucht werden.
Bestimmte freie Leichtketten können über die Nieren in den Urin gelangen. Sie werden auch als Bence-Jones-Proteine bezeichnet.
Je nach Situation kann eine Untersuchung des Urins oder eine Sammlung des Urins über 24 Stunden notwendig sein. Dabei wird u.a. bestimmt, wie viel Eiweiß ausgeschieden wird und um welche Eiweißart es sich handelt.
Die Myelomzellen können verschiedene genetische Veränderungen aufweisen. Diese werden häufig mit einer sogenannten FISH-Untersuchung analysiert.
Zu den untersuchten Veränderungen gehören etwa:
• del(17p)
• t(4;14)
• t(14;16)
• t(11;14)
• Veränderungen des Chromosoms 1.
Einige dieser Veränderungen sind mit einem höheren Risiko für einen aggressiveren Krankheitsverlauf verbunden. Die Ergebnisse helfen Ärzten dabei, die Prognose einzuschätzen und die Therapie bzw. Erhaltungstherapie zu planen.
Die Veränderungen wurden normalerweise erst in den Myelomzellen erworben. Sie bedeuten daher nicht automatisch, dass eine erbliche Veränderung vorliegt, die auch an Kinder weitergegeben werden kann.
Zur Untersuchung des gesamten Skeletts wird heute häufig eine niedrig dosierte Ganzkörper-Computertomographie ohne Kontrastmittel durchgeführt.
Damit können u.a. erkannt werden:
• Knochenabbau und Osteolysen
• instabile Knochenbereiche
• Wirbelkörperbrüche
• andere Knochenveränderungen.
Die früher übliche Röntgenuntersuchung einzelner Knochen ist weniger empfindlich und wird für die vollständige Erstdiagnostik nicht mehr bevorzugt.
Eine Magnetresonanztomographie kann zusätzliche Informationen über das Knochenmark, die Wirbelsäule und mögliche Weichteilherde liefern.
In bestimmten Situationen kann außerdem eine PET-CT-Untersuchung sinnvoll sein.
Bei der Knochenmarkpunktion werden normalerweise aus dem Beckenknochen eine kleine Menge flüssiges Knochenmark und ein kleiner Gewebezylinder entnommen.
Die Untersuchung zeigt:
• wie hoch der Anteil der Plasmazellen ist
• ob es sich um einen einheitlichen bösartigen Zellklon handelt
• welche Merkmale die Zellen besitzen
• welche genetischen Veränderungen vorhanden sind.
Die Untersuchung erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung. Patienten können während der Entnahme einen kurzen Druck oder ziehenden Schmerz wahrnehmen.
Die folgende Abbildung stellt schematisch den Ablauf einer Knochenmarkpunktion dar:
Die SLiM-CRAB-Kriterien helfen dabei festzustellen, ob ein multiples Myelom behandelt werden muss.
Die Buchstaben CRAB stehen für vier typische Organschäden:
✅ C- Calcium:
Der Kalziumspiegel im Blut ist durch die Erkrankung deutlich erhöht.
✅ R – Renal insufficiency:
Die Nierenfunktion ist eingeschränkt.
✅ A – Anemia:
Es besteht eine ausgeprägte Blutarmut.
✅ B – Bone lesions:
In der Bildgebung sind myelombedingte Knochenveränderungen nachweisbar.
Zusätzlich gibt es drei Untersuchungsergebnisse, die ein sehr hohes Risiko für bald entstehende Organschäden anzeigen:
Bereits ein erfülltes SLiM- oder CRAB-Kriterium kann ausreichen, um eine Behandlung einzuleiten. Dabei muss der Befund tatsächlich durch das multiple Myelom verursacht worden sein.
Beim multiplen Myelom wird meistens das Internationale Staging System, kurz ISS, oder eine weiterentwickelte Form wie R-ISS bzw. R2-ISS verwendet.
Die Einteilung erfolgt in drei Risikogruppen bzw. Stadien.
Berücksichtigt werden u.a.:
Die Stadien I bis III beschreiben nicht einfach, wie weit sich die Erkrankung im Körper ausgebreitet hat. Das unterscheidet das multiple Myelom von vielen soliden Tumoren.
Die Einteilung dient vor allem dazu, den statistisch wahrscheinlichen Krankheitsverlauf einzuschätzen. Sie kann nicht zuverlässig vorhersagen, wie die Erkrankung bei einem einzelnen Patienten verlaufen wird und kann bislang auch kaum Therapie steuern. Eine Ausnahme bildet die Empfehlung zur Tandem-Transplantation bei Hochrisikopatienten.
• geringe Krankheitsaktivität: Der Körper ist noch relativ wenig durch das Myelom belastet.
• gute Blutwerte: Das Eiweiß Beta-2-Mikroglobulin im Blut ist niedrig und der Eiweißstoff Albumin ist normal hoch (Beta-2-Mikroglobulin ≤ 3,5 mg/l; Serum-Albumin ≥ 3,5 g/dl; LDH ≤ obere Norm = normale LDH-Werte)
• keine Risikogene: Es liegen keine gefährlichen Gen-Veränderungen in den Myelomzellen vor.
• Standardrisiko in der Zytogenetik
• dazwischenliegende Werte: Zwischenstadium, in dem weder die Kriterien von Stadium I noch von Stadium III vollständig erfüllt werden.
• mäßige Aktivität: Die Eiweißwerte und Gen-Merkmale liegen im mittleren Bereich.
• hohe Krankheitsaktivität: Das Myelom hat sich im Körper bereits stärker ausgebreitet.
• veränderte Blutwerte: Das Beta-2-Mikroglobulin im Blut ist deutlich erhöht (Beta-2-Mikroglobulin ≥ 5,5 mg/l).
• zusätzliche Faktoren: Entweder zeigt ein bestimmter Blutwert (LDH) eine Gewebeschädigung an oder es finden sich ungünstige Gen-Veränderungen in den Krebszellen (LDH > obere Norm = erhöhte LDH-Werte).
• hochrisikogene Zytogenetik: del(17p), t(4;14), t(14;16).
Dank neuer Therapieansätze, darunter zielgerichtete Medikamente und Immuntherapien, hat sich die Prognose des multiplen Myeloms in den letzten Jahren deutlich verbessert:
Stadium I (R-ISS): Medianes Überleben von 8 – 10 Jahren
Stadium II (R-ISS): Medianes Überleben von 5 – 7 Jahren
Stadium III (R-ISS): Medianes Überleben von 3 – 5 Jahren
Diese Zahlen sind Richtwerte. Individuelle Faktoren, wie etwa das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand sowie das Therapieansprechen, spielen eine entscheidende Rolle.
Oft sind Infektionen, wie etwa schwere Lungenentzündungen, oder Organversagen (z. B. Nierenversagen) die Haupttodesursachen.
Eine MGUS wird nicht behandelt. Auch ein schwelendes Myelom wird normalerweise zunächst regelmäßig kontrolliert.
Eine Behandlung ist erforderlich, wenn mindestens ein anerkanntes SLiM-CRAB-Kriterium vorliegt oder andere eindeutig myelombedingte Beschwerden bzw. Organschäden auftreten.
Bei einer ausgeprägten Einschränkung der Nierenfunktion, einer Hyperkalzämie oder einer Rückenmarkseinengung kann ein sehr schneller Therapiebeginn notwendig sein.
Eine hohe Menge an Paraprotein allein bedeutet nicht in jedem Fall, dass sofort behandelt werden muss. Entscheidend sind die Gesamtheit der Befunde und das Risiko für Organschäden.
Bei einem schwelenden Myelom erfolgen regelmäßige Kontrollen. Dazu können gehören:
Die Abstände richten sich nach dem individuellen Risiko und der Entwicklung der Werte.
Patienten sollten sich unabhängig vom nächsten Kontrolltermin an ihr Behandlungsteam wenden, wenn neue Knochenschmerzen, eine zunehmende Erschöpfung, häufige Infektionen oder andere auffällige Beschwerden auftreten.
Die Behandlung soll:
Bei vielen Patienten lässt sich eine Remission erreichen. Das bedeutet, dass die Erkrankung deutlich zurückgedrängt wird und sich Beschwerden und auffällige Untersuchungswerte verbessern.
Eine Remission ist jedoch nicht automatisch mit einer dauerhaften Heilung gleichzusetzen.
Die Therapie wird individuell geplant. Besonders wichtig sind:
Das kalendarische Alter ist nicht das einzige Entscheidungskriterium. Ein körperlich fitter älterer Patient kann unter Umständen eine intensivere Behandlung erhalten als ein jüngerer Patient mit schweren Begleiterkrankungen.
Bei der Erstbehandlung werden normalerweise mehrere Wirkstoffe miteinander kombiniert. Sie greifen die Myelomzellen auf unterschiedliche Weise an.
Für viele neu diagnostizierte Patienten werden heute Vierfachkombinationen bevorzugt. Dazu gehören:
Diese Kombinationen werden abgekürzt als Dara-VRd bzw. Isa-VRd bezeichnet.
Seit 2025 sind entsprechende Vierfachkombinationen in der Europäischen Union für neu diagnostizierte Patienten in erweiterten Anwendungsgebieten verfügbar. Welche Kombination tatsächlich geeignet ist, hängt insbesondere von Fitness, Begleiterkrankungen, Nierenfunktion, Transplantationseignung und Zulassungsbedingungen ab. Bei gesundheitlich stark geschwächten Patienten kann eine weniger intensive Behandlung sinnvoller sein.
Im Rahmen der Therapie werden folgende Medikamentengruppen eingesetzt:
Daratumumab und Isatuximab richten sich gegen das Eiweiß CD38 auf der Oberfläche von Myelomzellen.
Die Antikörper markieren die Krebszellen für das Immunsystem und lösen weitere Vorgänge aus, die zum Absterben der Zellen führen können.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
• Reaktionen bei oder kurz nach der ersten Gabe
• Infektionen
• Veränderungen des Blutbildes
• Müdigkeit
Daratumumab kann außerdem bestimmte Blutgruppenuntersuchungen beeinflussen. Patienten sollten vor Bluttransfusionen darauf hinweisen, dass sie mit diesem Medikament behandelt werden oder wurden.
Proteasomen sind Bestandteile der Zellen, die nicht mehr benötigte Eiweiße abbauen. Myelomzellen produzieren besonders viele Eiweiße und sind deshalb empfindlich gegenüber einer Blockade dieses Systems.
Zu den Proteasom-Hemmern gehören:
• Bortezomib
• Carfilzomib
• Ixazomib.
Mögliche Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Wirkstoff. Dazu gehören zum Beispiel:
• Nervenschäden
• Veränderungen des Blutbildes
• Infektionen
• Magen-Darm-Beschwerden
• Herz-Kreislauf-Probleme
Zu dieser Gruppe gehören:
• Lenalidomid
• Pomalidomid
• Thalidomid.
Sie beeinflussen das Immunsystem und können das Wachstum der Myelomzellen hemmen.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
• Veränderungen des Blutbildes
• erhöhtes Infektionsrisiko
• erhöhtes Risiko für Thrombosen
• Müdigkeit
• Hautreaktionen
• Nervenschäden, insbesondere unter Thalidomid.
Während einer Behandlung mit Lenalidomid oder Pomalidomid kann deshalb eine vorbeugende Blutverdünnung erforderlich sein.
Diese Medikamente können ungeborene Kinder schwer schädigen. Für Frauen und Männer gelten daher strenge Sicherheits- und Schwangerschaftsverhütungsprogramme.
Dexamethason oder Prednisolon können Myelomzellen direkt schädigen und die Wirkung anderer Medikamente unterstützen.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
• Schlafstörungen
• Unruhe oder Stimmungsschwankungen
• erhöhter Blutzucker
• Muskelschwäche
• erhöhtes Infektionsrisiko
• Magenbeschwerden
• Knochenabbau.
Die Dosis kann insbesondere bei älteren oder gesundheitlich stark geschwächten Patienten angepasst werden.
Für körperlich geeignete Patienten ist die Hochdosistherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Erstbehandlung.
„Autolog“ bedeutet, dass der Patient seine eigenen Blutstammzellen zurückerhält.
Die Behandlung erfolgt in mehreren Schritten:
1. Einleitende Behandlung
Zunächst erhält der Patient mehrere Zyklen einer Medikamentenkombination. Diese Phase wird als Induktion bezeichnet. Sie soll die Zahl der Myelomzellen deutlich verringern.
2. Sammlung der Stammzellen
Anschließend werden Blutstammzellen aus dem Blut gesammelt und eingefroren.
3. Hochdosis-Chemotherapie
Der Patient erhält eine sehr hohe Dosis des Chemotherapeutikums Melphalan. Diese soll möglichst viele verbliebene Myelomzellen abtöten.
Die Hochdosistherapie schädigt jedoch auch die normale Blutbildung im Knochenmark.
4. Rückgabe der Stammzellen
Die zuvor gesammelten Stammzellen werden über eine Infusion zurückgegeben. Sie siedeln sich wieder im Knochenmark an und stellen die Blutbildung neu her.
Die Stammzellen selbst bekämpfen das Myelom nicht. Sie ermöglichen es vielmehr, die intensive Hochdosis-Chemotherapie durchzuführen.
5. Konsolidierung und Erhaltung
Je nach Behandlungskonzept können weitere Therapiezyklen folgen. Anschließend erhalten viele Patienten eine Erhaltungstherapie, häufig mit Lenalidomid und in bestimmten Konzepten zusätzlich mit einem Antikörper.
Die Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation kann die Erkrankung besonders tief zurückdrängen und die Zeit bis zu einem erneuten Fortschreiten verlängern. Sie gilt aber normalerweise nicht als sichere Heilung.
Auch ohne Stammzelltransplantation stehen wirksame Behandlungen zur Verfügung.
Je nach körperlicher Verfassung kommen beispielsweise infrage:
Bei gesundheitlich stark geschwächten Patienten ist nicht die größtmögliche Anzahl an Medikamenten automatisch die beste Lösung. Eine gut verträgliche Behandlung, die dauerhaft durchgeführt werden kann, kann sinnvoller sein als eine sehr intensive Therapie mit häufigen Unterbrechungen.
Es gibt heute also eine Vielzahl an Behandlungsmöglichkeiten, die individuell auf Ihre Erkrankung und Ihre Bedürfnisse abgestimmt werden können. Diese umfassen:
Die Kombination dieser Verfahren hat in den letzten Jahren die Behandlungsergebnisse deutlich verbessert.
Bei größeren Osteolysen im Knochen wird häufig eine lokale Bestrahlung empfohlen. Wichtig sind auch unterstützende Therapiemaßnahmen, wie zum Beispiel Physiotherapie und Knochen-stärkende Medikamente (Bisphosphonate).
Die Behandlung beginnt oft mit Medikamenten, die das Wachstum der Myelom-Zellen stoppen. Dazu gehören:
Dieses Verfahren ist der Standard für Patienten unter 70 Jahren.
Bei Rückfällen oder schwer behandelbaren Fällen stehen moderne Therapien zur Verfügung:
Aktuell untersuchen klinische Studien den Einsatz dieser neuen Immuntherapien (bispezfische Antikörper, CAR T-Zell Therapie) auch bei Patienten mit neu diagnostiziertem multiplen Myelom. Weitere neue Substanzen und Therapieverfahren werden bei Patienten mit einem fortgeschrittenen multiplen Myelom untersucht.
Bei Schmerzen oder drohenden Knochenbrüchen hilft oft eine lokale Bestrahlung. Diese Therapie wird meist ambulant in mehreren Sitzungen durchgeführt.
Um Knochenschmerzen zu lindern und Brüchen vorzubeugen, werden Medikamente, wie Bisphosphonate oder Denosumab, eingesetzt.
Wichtig: Eine zahnärztliche Kontrolle vor der Behandlung ist notwendig, um Komplikationen zu vermeiden.
Nach einer intensiven Erstbehandlung kann eine Erhaltungstherapie eingesetzt werden. Sie soll die verbliebenen Myelomzellen möglichst lange unter Kontrolle halten.
Häufig wird Lenalidomid verwendet. Abhängig von der vorausgegangenen Behandlung und der individuellen Risikosituation kann eine Kombination mit Daratumumab oder eine andere Strategie infrage kommen.
Eine Erhaltungstherapie wird meist über einen längeren Zeitraum durchgeführt. Nutzen und Nebenwirkungen werden regelmäßig untersucht.
Bei den meisten Patienten wird das multiple Myelom nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung irgendwann wieder nachweisbar oder aktiv. Dies wird als Rezidiv bezeichnet.
Von einer refraktären Erkrankung wird gesprochen, wenn das Myelom während einer Therapie fortschreitet oder kurz nach der Behandlung erneut wächst.
Die Auswahl der nächsten Behandlung hängt u.a. davon ab:
Es existiert nicht für jeden Patienten dieselbe festgelegte Reihenfolge. Moderne Empfehlungen orientieren sich zunehmend an den bereits eingesetzten Wirkstoffklassen, der Wirksamkeit der bisherigen Behandlungen und der individuellen Situation.
CAR-T-Zellen sind körpereigene T-Zellen, die im Labor genetisch verändert werden.
Zunächst werden dem Patienten T-Zellen aus dem Blut entnommen. Im Labor erhalten sie einen künstlichen Rezeptor, den sogenannten chimären Antigenrezeptor oder CAR.
Dieser Rezeptor erkennt ein bestimmtes Merkmal auf Myelomzellen. Die beim multiplen Myelom zugelassenen CAR-T-Zelltherapien richten sich insbesondere gegen BCMA.
Nach der Herstellung werden die veränderten Zellen dem Patienten als Infusion zurückgegeben. Sie können Myelomzellen erkennen und zerstören.
Zu den CAR-T-Zelltherapien beim multiplen Myelom gehören:
Die zugelassenen Einsatzbereiche unterscheiden sich und können sich durch neue Studien und Zulassungserweiterungen verändern. Eine Behandlung erfolgt ausschließlich in spezialisierten Zentren.
Zu den besonders wichtigen Risiken gehören:
Beim Zytokin-Freisetzungssyndrom wird das Immunsystem stark aktiviert. Mögliche Anzeichen sind Fieber, niedriger Blutdruck, beschleunigter Herzschlag und Atemprobleme.
Nach einer CAR-T-Zelltherapie sind langfristige Kontrollen notwendig.
Bispezifische Antikörper besitzen zwei unterschiedliche Bindungsstellen.
Eine Bindungsstelle erkennt ein Merkmal auf der Myelomzelle. Die andere bindet an eine T-Zelle des Immunsystems. Dadurch werden T-Zelle und Myelomzelle eng zusammengebracht und die T-Zelle kann die Krebszelle angreifen.
Zu den Zielstrukturen gehören insbesondere:
Zu den zugelassenen bispezifischen Antikörpern gehören, abhängig von der Behandlungssituation, zum Beispiel:
Anders als CAR-T-Zellen werden bispezifische Antikörper nicht individuell für jeden Patienten hergestellt. Sie stehen grundsätzlich als fertige Medikamente zur Verfügung und werden wiederholt verabreicht.
Mögliche Nebenwirkungen sind:
Bei GPRC5D-gerichteten Behandlungen können zusätzlich Geschmacks-, Haut- und Nagelveränderungen auftreten.
Die ersten Dosen werden schrittweise gesteigert. Dabei ist häufig eine engmaschige oder stationäre Überwachung notwendig.
Das multiple Myelom wird hauptsächlich mit Medikamenten behandelt. Eine Strahlentherapie kann jedoch gezielt eingesetzt werden, beispielsweise bei:
Die Strahlentherapie behandelt den bestrahlten Bereich, nicht jedoch sämtliche Myelomzellen im Körper.
Eine Operation kann erforderlich sein, wenn:
Die Entscheidung erfolgt häufig gemeinsam durch Hämatologen, Radiologen, Strahlentherapeuten sowie Wirbelsäulen- oder Unfallchirurgen.
Patienten mit Knochenbeteiligung erhalten häufig knochenstabilisierende Medikamente.
Dazu gehören:
Diese Medikamente können das Risiko für Knochenbrüche, eine Rückenmarkseinengung, einen erhöhten Kalziumspiegel und notwendige Bestrahlungen oder Operationen verringern.
Vor Beginn sollte der Zustand der Zähne und des Kiefers untersucht werden. Selten kann es zu einer Schädigung des Kieferknochens, einer sogenannten Kieferosteonekrose, kommen.
Während der Behandlung sind eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen wichtig. Bevor ein Zahn gezogen oder ein anderer größerer Eingriff vorgenommen wird, sollten sich Zahnarzt und Behandlungsteam abstimmen.
Kalzium und Vitamin D können, abhängig vom Blutwert, der Nierenfunktion und der gewählten Behandlung, empfohlen werden. Die Einnahme sollte nicht ohne Rücksprache erfolgen.
Eine myelombedingte Nierenschädigung muss schnell behandelt werden. Wichtig ist vor allem, die Zahl der schädlichen Leichtketten durch eine wirksame Myelomtherapie rasch zu verringern.
Weitere Maßnahmen können sein:
Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika können die Nieren zusätzlich belasten. Dazu gehören etwa Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Patienten sollten Schmerzmittel deshalb mit ihrem Behandlungsteam abstimmen.
Patienten mit multiplem Myelom haben durch die Erkrankung und viele Behandlungen ein erhöhtes Infektionsrisiko.
Abhängig von der Therapie können sinnvoll sein:
Lebendimpfstoffe sind während einer ausgeprägten Immunsuppression häufig ungeeignet. Impfungen sollten deshalb mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.
Fieber während einer Myelomtherapie sollte nicht bis zum nächsten regulären Termin abgewartet werden. Patienten sollten sich an die Anweisungen ihres Behandlungsteams halten und zeitnah Kontakt aufnehmen.
Das multiple Myelom und bestimmte Behandlungen erhöhen das Risiko für Blutgerinnsel.
Besonders Immunmodulatoren wie Lenalidomid und Pomalidomid können das Risiko steigern, vor allem in Kombination mit Dexamethason und weiteren Medikamenten.
Abhängig vom persönlichen Risiko kann der Arzt beispielsweise empfehlen:
Warnzeichen einer Thrombose oder Lungenembolie sind:
Diese Beschwerden müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden.
Während und nach der Behandlung werden regelmäßig kontrolliert:
Das Behandlungsergebnis kann beispielsweise als partielle, sehr gute partielle oder komplette Remission eingestuft werden.
MRD steht für „messbare Resterkrankung“.
Mit besonders empfindlichen Untersuchungen kann im Knochenmark nach sehr kleinen Mengen verbliebener Myelomzellen gesucht werden.
Sind mit dem verwendeten Verfahren keine Myelomzellen mehr nachweisbar, spricht man von einer MRD-Negativität. Dies ist im Allgemeinen mit einer günstigeren Prognose verbunden.
Eine MRD-negative Untersuchung bedeutet jedoch nicht mit Sicherheit, dass keine einzige Myelomzelle mehr im Körper vorhanden ist. Ob eine Behandlung allein aufgrund des MRD-Ergebnisses verkürzt, verlängert oder verändert werden sollte, ist noch Gegenstand klinischer Studien.
Der Verlauf kann sich von Patient zu Patient stark unterscheiden.
Einfluss haben u.a.:
Eine dauerhafte Heilung ist bisher nur in Ausnahmefällen erreichbar. Moderne Therapien können die Erkrankung aber häufig über viele Jahre kontrollieren. Manche Patienten erreichen sehr lange Remissionen.
Statistische Überlebenswerte beziehen sich immer auf größere Patientengruppen, die häufig mehrere Jahre zuvor behandelt wurden. Sie bilden die Wirkung neuerer Therapien deshalb nicht immer vollständig ab und können den persönlichen Verlauf nicht zuverlässig vorhersagen.
Auch mit einem multiplen Myelom ist für viele Patienten ein weitgehend selbstbestimmtes Leben möglich. Die Erkrankung und ihre Behandlung können jedoch körperlich und psychisch belastend sein.
Hilfreich können sein:
Bei geschädigten oder instabilen Knochen sollte körperliche Aktivität zuvor mit dem Behandlungsteam oder einem erfahrenen Physiotherapeuten abgestimmt werden. Ungeeignete Belastungen können das Risiko eines Knochenbruchs erhöhen.
Klinische Studien bieten Patienten oft die Chance, schon sehr früh von wegweisenden neuen Therapieverfahren zu profitieren. Viele wichtige Fortschritte beim multiplen Myelom wurden durch klinische Studien ermöglicht.
Untersucht werden etwa:
Eine klinische Studie kann insbesondere bei einem Rückfall, einer Hochrisikoerkrankung oder nach mehreren vorausgegangenen Therapien eine zusätzliche Möglichkeit darstellen. Leitlinien empfehlen, eine Studienteilnahme nach Möglichkeit zu prüfen.
Die Studienteilnahme ist freiwillig. Vor einer Entscheidung sollten Patienten u.a. fragen:
Nicht jeder behandelnde Arzt kennt sämtliche aktuell rekrutierende Myelom-Studien. Eine gezielte, individuelle Studienrecherche kann deshalb sinnvoll sein. Eine gefundene Studie sollte anschließend gemeinsam mit dem behandelnden Hämato-Onkologen bewertet werden.
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